Kategorie: gute gesellschaft
Geschützt: SOS auf El Amal (2) – 3. Kapitel
Geschützt: SOS auf El Amal (2) – 2. Kapitel
SOS auf El Amal – Haben will?

Das Büchlein ist professionell gedruckt und in einem Softcover gebunden, dort, wo angebracht “in Farbe”.
Bei Interesse geb ich es für einen Zehner zugunsten der Straßenkinder an euch weiter. Muss es verschickt werden, dann ist das Porto halt inklusive.
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Die Hefte sind eingeschweißt, ich lege ein Kärtchen mit der Seriennummer bei, die könnt ihr ins Heft übernehmen. Wer eine kurze Widmung haben möchte… dessen Büchlein muss ich dann halt vorsichtig öffnen.
Leseprobe Kapitel 1 und 2 von 22: https://ccasus.wordpress.de/wp-content/uploads/2026/06/sos-auf-el-amal_leseprobe.pdf
Gufundme, wenn ihr das Projekt unterstützen und davon profitieren möchtet: https://gofund.me/041a3233a
Für alle anderen Fragen, Anregungen oder Kritiken, nur zu, ich bin dabei.
© Casus. 2026
Das Leben und der Tod – eine Parabel
(Eine Parabel, nacherzählt aus der Erinnerung an eine in Kabelsketal gehörte Geschichte, frei nach Marie-Luise Kaschnitz „Das Leben“ – wahrscheinlich!)
Es war in jenem stillen Abschnitt des Jahres, in dem selbst die Straßen erschöpft wirken. Der Regen hing tagelang über der Stadt wie ein graues Tuch, und die Menschen gingen mit gesenkten Köpfen, als wollten sie vermeiden, vom Himmel erkannt zu werden.
Im vierten Stock eines alten Hauses saß ein Mann am Fenster und wartete auf den Tod.
Er hatte keinen Abschiedsbrief geschrieben. Keine letzte große Geste vorbereitet. Kein Drama. Dafür war er zu müde geworden.
Die Müdigkeit war nicht plötzlich gekommen. Sie war langsam in ihn eingesickert, über Jahre hinweg, wie Wasser durch einen feinen Riss im Gemäuer. Erst hatte sie nur seine Freude gedämpft. Dann seine Hoffnung. Schließlich selbst die Erinnerung daran, dass Hoffnung einmal selbstverständlich gewesen war.
An diesem Abend saß er im Halbdunkel seines Zimmers. Die Lampe hinter ihm war ausgeschaltet. Nur das fahle Licht der Straßenlaterne lag wie kalter Staub über den Möbeln. Auf dem Tisch stand eine Tasse Tee, längst erkaltet. Er wartete, nicht ungeduldig oder ängstlich. Einfach bereit.
Draußen fuhr gelegentlich ein Auto vorbei. Irgendwo lachte jemand auf der Straße, kurz und hell, dann war wieder Stille. Der Mann dachte: So klingt also eine Welt, die ohne mich weiterläuft. Und seltsamerweise empfand er darüber keinen Schmerz mehr.
Kurz vor Mitternacht klopfte es an der Tür. Ein einziges, ruhiges Klopfen. Der Mann hob den Blick kaum. „Offen“, sagte er. Die Tür ging auf. Doch es war nicht der Tod. Eine Frau trat ein. Sie war weder jung noch alt. Nicht auffallend schön, und doch schien der ganze Raum plötzlich heller zu werden, seit sie darin stand. Sie trug einen dunklen Mantel, von dessen Schultern noch Regentropfen fielen.
„Ich hoffe, ich störe nicht“, sagte sie. Der Mann musterte sie schweigend.
„Wer sind Sie?“ Sie lächelte leicht. „Ein alter Bekannter.“ Ohne Einladung setzte sie sich ihm gegenüber an den Tisch. Ihre Bewegungen hatten etwas Vertrautes. Als wäre sie hier schon oft gewesen. Sie betrachtete die kalte Tasse Tee. „Du solltest ihn warm trinken.“ Der Mann antwortete nicht. Die Frau nahm die Tasse in beide Hände. Einen Moment später stieg wieder Dampf daraus auf. Der Mann runzelte die Stirn. „Ein Trick?“ „Vielleicht.“ Sie schob ihm die Tasse hin. Er trank nicht.
Eine Weile sagte keiner etwas. Der Regen schlug leise gegen die Fensterscheiben. Dann begann die Frau zu sprechen. Sie drängte nicht, predigte nicht, sie sprach ruhig. Sie erzählte ihm vom Meer. Von jenem Gefühl, nachts am Strand zu stehen, wenn der Wind salzig riecht und die Wellen im Dunkeln leuchten wie atmende Tiere. Sie erzählte von Sommern, die plötzlich zurückkehren, sobald man irgendwo den Duft von heißem Asphalt und Sonnencreme riecht. Von der ersten Sekunde nach einem Kuss. Von Musik, die man zufällig hört und die einem unvermittelt das Herz aufbricht. Von schlafenden Kindern im Auto. Von Gesprächen um drei Uhr morgens. Von warmem Brot. Von dem ersten tiefen Atemzug nach einer langen Krankheit. Von der Erleichterung nach Angst. Von Händen, die bleiben.
Der Mann hörte schweigend zu. Und während sie sprach, schien sich etwas im Zimmer zu verändern. Die Luft wurde wärmer. Der Regen draußen klang plötzlich weich. Irgendwann meinte der Mann sogar, den Duft von Kaffee wahrzunehmen. Frischen Kaffee. Und für einen winzigen Moment erinnerte er sich daran, wie es gewesen war, morgens glücklich aufzuwachen. Die Frau sah ihn an. „Es gibt noch so vieles.“ Der Mann lächelte schwach, traurig. „Ja“, sagte er leise. „Das sagst du immer.“
Zum ersten Mal schwieg die Frau. „Du erkennst mich also.“ „Natürlich.“ Sie lehnte sich zurück. „Und wer bin ich?“ Der Mann sah hinaus zum Fenster, wo der Regen silbern durch das Licht fiel. „Du bist das Leben.“ Die Frau antwortete nicht. Das musste sie auch nicht. Der Mann schloss kurz die Augen. „Immer wenn Menschen gehen wollen“, sagte er müde, „kommst du noch einmal vorbei.“ Die Frau betrachtete ihn aufmerksam. „Und manchmal bleiben sie.“ „Ja.“ „Manchmal reicht eine einzige Erinnerung. Oder ein Mensch. Oder ein Morgen.“ „Ja.“ „Warum nicht bei dir?“ Der Mann atmete langsam aus. „Weil ich dich kenne.“ Die Frau legte den Kopf schief. „Das klingt bitter.“ „Nein“, sagte er. „Eigentlich nicht.“
Er sah sie nun direkt an. „Früher hätte ich geglaubt, du wärst grausam. Heute denke ich nur, dass du verzweifelt bist.“ Zum ersten Mal zeigte sich ein Schatten in ihrem Gesicht. „Verzweifelt?“ „Natürlich.“ Der Mann lächelte matt. „Du willst immer behalten. Um jeden Preis.“ Die Frau stand auf und ging langsam durch das Zimmer. Ihre Finger glitten über Bücher, über die Rücken der Stühle, über den Fenstersims. „Ist das falsch?“ „Nein.“ Sie blieb am Fenster stehen. „Du hast mich einmal geliebt.“ Der Mann lachte leise. „Ja. Sehr sogar.“ Und plötzlich erinnerte er sich. Nicht gezwungen. Nicht künstlich. Erinnerungen kamen wie vorsichtige Tiere aus dem Dunkel. Ein Sommertag am Fluss. Der Geruch nasser Erde nach Gewitter. Die Frau, die er beinahe geheiratet hätte. Nächte voller Zukunft. Das Gefühl, unsterblich zu sein.
Er schloss die Augen, und für einen Moment schmerzte alles wieder wunderschön. Die Frau bemerkte es. „Siehst du?“, flüsterte sie. Der Mann nickte langsam. „Ja. Genau deshalb.“ „Deshalb?“ „Das ist dein größter Trick.“ Sie runzelte die Stirn. „Welcher?“ „Dass du schön bist.“ Stille. Der Regen draußen hatte aufgehört. Nun hörte man nur noch das ferne Rauschen der Stadt.
„Wenn du grausam wärst“, sagte der Mann, „würde niemand bleiben wollen. Aber du gibst gerade genug Licht, gerade genug Nähe, gerade genug Hoffnung, damit Menschen immer wieder weitermachen.“ Die Frau sah ihn lange an. „Und du findest das falsch?“ Der Mann dachte nach. Dann schüttelte er langsam den Kopf. „Nein. Ich glaube nur, dass ich müde bin.“ Die Frau setzte sich wieder. „Müdigkeit vergeht.“ „Nicht diese.“ Sie schwieg. Der Mann bemerkte plötzlich, wie traurig sie aussah.Wie jemand, der dieselbe Bitte seit Anbeginn der Zeit ausspricht und doch nie sicher ist, ob sie erhört wird.
„Du willst mich retten“, sagte er. „Ja.“ „Warum?“ Die Frau antwortete erst nach langer Zeit. „Weil jedes verlorene Leben mich kleiner macht.“ Der Mann sah sie erstaunt an. Sie lächelte schwach. „Das verstehen die Menschen nie. Sie glauben immer, ich sei unendlich.“ „Bist du das nicht?“ „Nein.“ Ihre Stimme war nun sehr leise. „Ich existiere nur in denen, die mich tragen.“ Der Mann blickte auf seine Hände. Alt und müde geworden. „Und wenn niemand mehr leben will?“ „Dann verschwinde ich.“
Die Worte blieben lange zwischen ihnen stehen. Schließlich fragte der Mann: „Hast du Angst davor?“ Die Frau antwortete sofort. „Ja.“ Zum ersten Mal empfand er Mitleid mit ihr. Mit dem Leben selbst. Mit dieser uralten Kraft, die jeden Morgen aufs Neue Menschen überredete weiterzumachen. Die Kinder lachen ließ. Liebende zusammenführte. Verwundete heilte. Verzweifelte tröstete. Und die doch gegen etwas kämpfen musste, das immer gewann. „Du kannst nicht siegen“, sagte der Mann sanft. „Ich weiß.“ „Warum versuchst du es dann immer weiter?“ Da lächelte sie plötzlich. Ein echtes, warmes Lächeln. „Weil ich manchmal doch gewinne.“ Der Mann dachte an all die Menschen, die morgens entgegen aller Vernunft wieder aufstanden. An jene, die nach Verlust weiterliebten. An Kranke, die weiteratmeten. An Gebrochene, die lachten. Und er verstand. Das Leben gewann nie endgültig. Aber oft genug.
Die Frau stand auf. „Komm“, sagte sie leise. „Nur noch ein bisschen.“ Der Mann schloss die Augen.Wie gern er geblieben wäre. Das überraschte ihn selbst. Nicht aus Angst vor dem Tod. Sondern weil plötzlich wieder Schönheit im Raum war. Weil er wieder fühlen konnte. Weil das Leben ihm noch einmal alles zeigte, was es konnte. Der Duft von Regen. Warme Haut. Musik hinter einer Tür. Wintersonne auf Bettwäsche. Das Zittern vor Glück. Das stille Atmen eines Menschen neben einem. Der erste Frühlingstag. All das stand plötzlich zwischen ihnen.
Die Frau trat näher. „Du musst noch nicht gehen.“ Der Mann sah sie lange an. Dann fragte er: „Wenn ich bleibe … verschwindet die Müdigkeit dann?“ Die Frau antwortete nicht. Und genau darin lag die Antwort. Langsam nickte der Mann. „Siehst du“, sagte er ruhig. „Deshalb erkenne ich dich.“ Die Frau senkte den Blick. Er sprach nun freundlich, beinahe zärtlich: „Du bietest Schönheit an. Aber keine Ruhe.“

Quelle
KI-generiert
Draußen begann irgendwo ein Vogel zu singen, viel zu früh für den Morgen. Die Frau stand reglos. Dann fragte sie: „Und was findest du beim Tod?“ Der Mann dachte lange nach. „Ich weiß es nicht.“ „Und trotzdem willst du gehen?“ Er nickte. „Ja.“ „Warum?“ Er sah sie an, müde und klar zugleich. „Weil selbst die Angst vor dem Nichts leichter geworden ist als das Gewicht des Lebens.“ Die Frau schloss die Augen. Der Mann konnte förmlich spüren, wie alt sie war. Älter als jede Sprache. Älter als Erinnerung. Und unendlich einsam. Schließlich ging sie zur Tür. Dort blieb sie noch einmal stehen. „Es tut mir leid“, sagte sie leise. Der Mann lächelte traurig. „Mir auch.“ Sie nickte. Dann öffnete sie die Tür und trat hinaus in den Flur.
Der Mann blieb allein zurück. Seltsamerweise war das Zimmer nun nicht mehr kalt. Er saß still da und hörte seinen eigenen Atem. Eine Minute verging. Vielleicht auch zehn. Dann hörte er draußen leise Stimmen. Als sprächen zwei alte Bekannte miteinander. Danach Stille. Schließlich ein zweites Klopfen. Ganz ruhig. Ganz höflich. Der Mann hob den Kopf.
„Herein.“ Die Tür öffnete sich langsam. Ein Mann trat ein. Schlicht gekleidet mit freundlichen Augen. Tiefe Ruhe breitete sich aus. Der Besucher schloss leise die Tür hinter sich. „Guten Abend“, sagte er. Der Mann nickte. Dann sah er an dem Fremden vorbei hinaus in den Flur. Dort war niemand mehr. Nur das leere Treppenhaus. Er lächelte schwach. „Sie hat dich geschickt.“ Der Fremde nickte. „Ja.“ „Was hat sie gesagt?“ Der Fremde antwortete nach kurzem Schweigen: „Sie sagte: Du kannst jetzt hochgehen. Er ist bereit.“
Der Mann atmete langsam aus. Und zum ersten Mal seit vielen Jahren fühlte sich nichts in ihm mehr schwer an.
Wie geht die tatsächliche Geschichte? Und wie geht sie aus?
Hat jemand einen Hinweis auf den Ursprung und kann es mir sagen? Ich wäre sehr dankbar,
Denn den Faden zu Marie-Luise Kaschnitz konnte ich noch nicht spinnen.
© Casus. 2026

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