Familie Caspari

Da ruhen sie nun und haben wohl dort, wo sie jetzt sind, viel zu erzählen?
So wie auf dem Foto von 1951 (2025 koloriert), als sie sich zur Verlobung in trauter Famlienrunde trafen. Treffpunkt dürfte die Karolinenstr. in Ruhla gewesen sein, da wohnten Vatis Eltern um diese Zeit, denn Muttis Eltern waren in Buttstädt zu Hause und daran kann ich mich noch erinnern, da lief das Ofenrohr senkrecht vom Kamin in die Wand. Also einigen wir uns auf Ruhla.

Das Bild ist – man sehe es mir nach – ist nicht ganz echt!
Arno Emil Caspari, der Vati von Vati, lebte zum Zeitpunkt der Aufnahme schon nicht mehr. Obwohl erst 62 Jahre alt, musste er den Kriegsfolgen und vor allem den schweren Nachkriegsumständen Tribut zollen. Keine Industrie, keine Jobs, kein Geld, keine Nahrung… – Emil bekam nur wenige Groschen im Monat für körperlich unmenschliche Arbeit. Davon kaufte die Familie Brot und Rüben für den kleinen Franz und Mutter Mathilde. Emil verzichte oft auf das Essen. Er ist für die Familie verhungert!

Heute, am 19. August 2017 hat Emil Geburtstag, hätte Geburtstag, das 132. Mal.
Ich habe sein Geburtshaus und seinen Geburtsort besucht, Kloster Allendorf, heute Bad Salzungen. Und habe mich mit der Ortschronistin, Marion Gratz und mit Frau Wilke (81) getroffen.

Die Geschichte darum und was dabei rausgekommen ist, erzähle ich morgen, bebildert natürlich. Familiäre Historie ist eine interessante Sache. Sie hört allerdings auf, wenn die letzten Wissenden versterben und kein Grabstein mehr eine Geschichte erzählen kann. Wenn der Friedhof ausstirbt. Dann haben wir keine Vergangenheit mehr und können nicht mehr besser machen, was damals falsch lief.

2017-08-19 Frau Wilke

Foto: (c)Casus. 2017

Frau Wilke (81), aus und in Kloster Allendorf, jetzt Bad Salzungen/Thür.
“Was sie nicht weiß, ist nicht passiert” sagt Marco mir. Marco wohnt im ehemaligen Nonnenkloster Allendorf, das, zumindest äußerlich eher einer Ruine gleicht und von den Dörflern liebevoll nur das Schloss genannt wird.
Marco, vollständig Schnittler, ist ein cooler Typ. Tatoos am ganzen, bei schönem Wetter wie heute gut zu erkennenden Körper, viel Leder am Mann und mit einem Simson-Moped zum Einkaufen unterwegs. Ein altes Händi in der Lederweste, auf dem er mir den nächsten Termin – die allwissende Frau Wilke – vermittelt und mich mit den oben zitierten Worten anmeldet. In einer Viertel Stunde, Frau Wilke muss sich noch spritzen… in Wirklichkeit zog sie fix noch eine Lunte durch 🙂
Vielleicht aber auch beides…
Auf die Spur von Frau Wilke hat mich die Ortschronistin, sie selbst nennt sich eher Hobbychronistin, Frau Marion Gratz, gebracht. Wir haben vereinbart, geschichtliche Erkenntnisse weiterhin auszutauschen. Erst wenn Zeitreisen in die Vergangenheit bewusst möglich sein werden, ist das Herumstochern in alten Dokumenten und Überlieferungen nicht mehr notwendig, um zu verstehen, was unsere Vorfahren antrieb, was sie bewegte und entwickelte.

2017-08-19 Kosterruine

Fotos: © 2017. casus

Die erste, nachweisbare Erwähnung der Ansiedlung Kloster Allendorf datiert aus dem Jahre 1137 durch einen Dynasten von Frankenstein. Die Fotos zeigen den heutigen Zustand der Klosterruine, die inzwischen wieder als Wohnhaus dient.
Mehr zur Geschichte und Chronik des Ortes und seiner teilweise atemberaubenden Historie ist z.B. hier und hier (PDF) zu finden.

Mit dem Wegzug aus Kloster Allendorf nach Ruhla, in die Karolinenstr. 56, endete auch die mehrere hundert Jahre andauernde Ortsansässigkeit dieser Casparischen Stammlinie.
Mit den bis ins Jahr 1762 zurückreichenden Originaldokumenten (Sippschaftstafel nach Karl Astel und Kirchenbuchauszüge, Geburtsurkunden, Taufscheine, Trauscheine) sind in der väterlichen Linie noch belegt:

Die Väter:

  • Franz Bruno Caspari, Vati (1921-2017)
  • Arno Emil Caspari, Großvater (1885-1947)
  • Johann Heinrich Caspari, Urgroßvater (1839-1914)
  • Johann Heinrich Caspari, Ururgroßvater (1813- ? )
  • Caspar Caspari, Urururgroßvater ( ? – ? )

und deren Ehefrauen:

  • Charlotte Frieda Caspari, geb. Tornus, Mutti (1924-2011)
  • Frieda Mathilde Caspari, geb. Jung, Großmutter (1890-1966)
  • Susanne Margarete Caspari, geb. Scharfenberg, Urgroßmutter (1841-1917)
  • Eva Maria Caspari, geb. Heugert, Ururgroßmutter (1819-1909)
  • Margareta Elisabetha Caspari, geb. Saft, Urururgroßmutter (1786-1844)

Oma hat Geburtstag.jpg

12. Oktober 2017
Oma hat Geburtstag.
Das biblische Alter von 127 Jahren ist laut amtlichen Geburtsnachweis erreicht.
Leider kann Oma Mathilde aus Ruhla, dem Roten Rühl – wie Vati immer sagte, nicht mehr selbst Kuchen backen und Kaffee kochen. Das machen wir jetzt.

Und wir treffen uns in kleiner Runde zu einer gemeinsamen Kaffeetafel an Ihrer letzten Ruhestätte auf dem Friedhof Gundorf in Leipzig/Böhlitz-Ehrenberg.

Wie bei vielen Frauen und Müttern aus dieser schweren Zeit gibt es auch von Oma Mathilde, der Mutti unseres Vatis, nur fragmentweise Erinnerungsstücke. Es waren die Männer, die das Bild und die Geschichte prägten.
Doch bevor ich Omas Geschichte erzähle – eine Story habe ich nie vergessen, diese deshalb vorneweg:
Vati war Lehrer in Leipzig, damals, das dürfte 1960/61 gewesen sein und ich in der großen Gruppe im DHfK-Kindergarten, fuhr er mit seiner Klasse von der Leibnitz-Schule ins Zeltlager auf Klassenfahrt. In dieser Klasse waren auch seine Sternchen, drei Mädchen, die er wohl am liebsten hatte. Keine Ahnung warum. Waren sie fleißig, hübsch, freundlich? Oder alles zusammen?
Das Zeltlager schlug die Klasse auf der Wiese vor dem Schwimmbad in Ruhla auf und ich, als Vatis Begleitung sozusagen und halt noch nicht Schulkind, durfte mit. Abends, als die Schüler sich in ihren Zelten verkrochen, schlich ich mich raus und lief zu Oma in die Katharinenstraße. (Ja, das ging damals noch, als kleiner Junge im Dunkeln allein draußen rumstromern!). Auf dem Weg dorthin kam ich jedesmal unweigerlich an einer kleinen Eisdiele vorbei, die auch um diese Zeit noch frisches Eis über die Ladentheke reichte. Es war aber gar nicht das Eis, was meine Neugier so weckte, sondern die Eislöffel, die man dazu bekam. Denn diese waren mit einer Märchenfigur aus den Märchen der Gebrüder Grimm geschmückt und ach, schon damals kannten die Macher den menschlichen Trieb oder die kindliche Versuchung, so etwas zu sammeln. In kurzer Zeit hatte ich die gesamte Serie zusammen, nur die offenbar selten vorhandene Witwe Bolte fehlte! Aber es kam wie es kommen musste, irgendjemand hatte sie dann doch und ich konnte gegen Lehrer Lämpel tauschen. Lehrer gab es damals offenbar in ausreichender Menge! Tauscht heute mal einen Lehrer gegen eine Witwe!!!

Nun aber erst einmal Kaffee und Kuchen.
Alles Gute zum Geburtstag, liebe Oma.

29. April (2018)

In den letzten Monaten habe ich den Sechsen ihre Ruhe gelassen.
In irgendeiner Weise mussten sie ja auch wieder zusammenfinden.

Der Grabhügel ist inzwischen eingeebnet, Uli hat ein Apfelbäumchen spendiert (einen roten Loki-Apfel), es soll wie ein ganz normales Stück Natur aussehen und nicht wie ein Grab, das das Ende darstellt. Das Ende ist ohnehin unbeschreibbar.

Muttis ‘letzte Rose’ – ihr Lieblingsstock aus dem heimischen Garten – habe ich ihr dorthin umgesetzt, wo sie ihn jetzt besser sehen kann und wenn in den nächsten Tagen noch die Bodendeckerbepflanzung erfolgt, haben Oma, Opa, Omi, Opi, Mutti und Vati endlich Ruhe.

Nur die Sonne scheint weiter…

Freitag, 13. Juli (2018)

Liebe Mutti, lieber Vati,
es ließ sich nicht verhindern, Wolfgang hat darauf bestanden, aber ihr habt es ja geahnt und mich beizeiten gewarnt: Euer Haus, euer Lebenswerk ist verkauft.

Es geht damit ein 56 Jahre dauernder, teilweise sehr turbulenter Traum vom Eigenheim in der Grabaustraße zu Ende. Dabei hatten wir noch so viel vor. Das ist nun vorbei.
Es bleibt nur Erinnerung.
Entschuldigt bitte.

Sonnabend, 2. März (2019)

Opi wird heute 123 Jahre alt.
Oder wäre geworden.
Egal. Unvergessen ist seine immer wiederholte Bemerkung – wenn Omi ihm seine Flasche Bier auf den Abendbrottisch stelle – ‘Die Leute, die so kleine Flaschen machen, sollte man erschießen’.
Gemeint waren die 0,33er Bierflaschen und mit Erschießen hatt Opa genug, das war eine Floskel.
Albert Tornus hat zwei Weltkriege überlebt.
Proost Opi.

Opi123

Dienstag, 16. Juli (1966)

Der 53. Todestag unserer Oma Mathilde jährt sich heute. Vatis Wunsch war es zuletzt, die Familie hier in Gundorf wieder zussmmenzufüren. Und so schlafen sie gemeinsam in einem großen Erdbett.

Ruht alle in Frieden.

Montag, 2. März 2020 (1896)

Alljährlich trinken wir gemeinsam aus einer kleinen Flasche Bier, jeder einen Schluck.
Ihr wisst schon, mit Opa Tornus, der, der die Leute, die soo kleine Flaschen abfüllen, am liebsten ‘erschießen’ würde.
Dabei war das immer nur so ironisch gemeint, wie man es halt nur meinen kann. Opa hat den Krieg und das ‘Geballere’ verabscheut. Er hat zwei Weltkriege überlebt. Das hat ihn geprägt.

Danke auch an die netten #Buttstädter, die an seinem Grab heute eine Kerze aufgestellt haben, da ich leider erst am Sonntag wieder nach #Thüringen komme. Dann gibt es auch in der Heimat einen kleinen Schluck aus einer kleinen Flasche. 🙂

Die fb-Gruppe der ‘Buttstädter’

Donnerstag, 9. Juli (2020)

Fünfundsechszig!
Dank Mister Schröder one more nine month.
Unter ‘normalen’ Umständen wäre es kein Problem gewesen solange die Arbeit Spaß macht. Doch die Zeiten ändern sich. Die Steine, die jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit erst überstolpert werden müssen werden zahlreicher und größer. Die kleinen von ihnen liegen auf dem Herzen oder in der Niere. Damit kann man umgehen. Die größten jedoch sind verordnet und lassen sich nur revolutionär aus dem Weg räumen. Dafür ist die Zeit nicht reif, wenn sie denn überhaupt je wiederkommt.
Das ist dann nicht mehr mein Part.
Ich komme erst wieder, wenn alles erledigt ist und die Sonne nicht nur vom Himmel brennt, sondern allen im Herzen scheint.
Dann brauchts keinen Schröder und Konsorten mehr.
Ist aber Zukunftsmusik oder auf Neudeutsch – Verschwörungstheorie. 🙁

Mittwoch, 18. August (2021)

Glaubst du?
Glaubst du an Esoterik?
Nein, natürlich nicht. Das Übersinnliche ist totale Spinne, etwas für Idioten, Vollidioten, denen der Bezug zur Realität fehlt!
Echt? – Oder ist es doch nur die halbe Wahrheit?
Wer von uns hat nicht schon irgendwann mal eine Situation erlebt, wo er meinte ‘Ach, das habe ich doch schon mal gesehen‘ oder ‘Da war ich doch früher bereits einmal‘…
Wie auch immer, mit Esoterik hat das eh nix wirklich was zu tun.
Diese kleine Anekdote hier ist jedoch wahr. In gewisser Weise leider wahr. In gewisser anderer Weise, glücklicherweise wahr!
Vati ist am 28. Januar 2017 gestorben. Wir hatten neun Monate, in denen er ans Bett ‘gefesselt‘ war, eine sehr intensive Zeit, konnten Dinge besprechen und uns über Sachen austauschen, was in den 93 Jahren zuvor in dieser Form nicht möglich war. Warum auch immer. Ihr findet Genaueres dazu weiter oben.
Von seinen letzten Teufelshaaren hatte ich zwei Diamanten pressen lassen und für mich einen Anhänger aus Weißgold, auf den der Diamant gefasst wurde und in dem die aller letzten Exemplare seiner üppigen Haarpracht (!) verschlossen wurden. Ich hätte für das Geld auch einen Kleinwagen bekommen, naja, fast.
Über drei Jahre habe ich diesen Anhänger am Hals getragen, am Tage, in der Nacht, in der Dusche, beim Schwimmen…
Bis letzte Woche.
Opi (haben wir gesagt), meinten Vati… hatte nie wirklich was mit dem Kulki (Kulkwitzer See) am Hut, als Leutzscher sind wir im Elster-Saale-Kanale baden gewesen. Der Kulki liegt in Grünau, das war aus früherer Sicht eine andere Stadt.
Beim Schwimmen im Kulki habe ich Kette und Anhänger dann doch verloren. Auf Nimmerwiedersehen. Dachte ich zunächst.

In meinem Leben bin ich noch nie wirklich getaucht.
Ab und zu abgetaucht oder hier und da geschnorchelt, das vielleicht. Im Gegensatz zu meinem Bruder, der das professionell betreibt, habe ich davon Null Ahnung.
Nun aber eben doch. Noch nicht perfekt, aber immerhin schon mit Neopren und Flasche und 200 Bar.
Gesucht habe ich drei Tage. Gefunden habe ich nichts. Auch nicht mit Metalldetektor.

Am 21. August dann aus Übersee die Nachricht, Lehman Riggs ist im Alter von 101 Jahren verstorben.
Lehman Riggs, der möglicherweise letzte Zeitzeuge vom Einmarsch der Amerikaner am 18. April 1945 in Leipzig. Er stand mit Raymond J. Bowman hinter dem Maschinengewehr auf dem Balkon vom späteren Capa-Haus und sicherte den Einmarsch seiner Kameraden über die Zeppelin-Brücke ins Leipziger Zentrum.
Opi lag um diese Zeit im Lazarett, hörte in der Nacht zuvor den Donner der Amerikaner, die über Merseburg zum Leipziger Westen vordrangen. Er zog seine Uniform an, verließ das Lazarett und ging neugierig den Amis entgegen. Wirklich bis zu ihnen hat er es offenbar nicht geschafft an diesem denkwürdigen Tag, sonst wär er wohl kein Opi geworden…

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67 Jahre später treffen die beiden Soldaten erneut aufeinander. Unterhalb des Völkerschlachtdenkmals statt im Schützengraben, in Zivil statt hinter dem MG.
Die Situation will ich nicht erneut beschreiben. Sie haben kein Wort voneinander verstanden. Der eine kann kein Deutsch, der andere kein Englisch. Aber sie waren plötzlich eins, ließen sich nicht mehr los. ‘Du bist nicht mein Freund, du bist mein Bruder‘ – so Lehmans Worte.

2017 verstarb der erste der ‘Brüder‘.

Jetzt ist der zweite Bruder gegangen. Mit 101 Jahren.
So ist es nun einmal.

Doch warum diese Geschichte jetzt und hier erneut?
Lehman Riggs hat Kette und Anhänger mit in den Himmel zu seinem Bruder genommen.
Ich kann beides auf Erden nicht mehr finden, auch in 10 Jahren nicht.
Drei Jahre an meinem Hals waren wohl auch genug.

Die Brüder sind wieder vereint und auf ihrer Wolke liegt ein Andenken.
Das ist gut so. Und bleibt so.

Etwas Esotherik gefällig?

Sonntag, 24. Oktober (2021)

Opi wird 100

Ein guter Grund, das blog zu schließen, oder?

Freitag, 29. März (2024)

Auch Mutti wäre Hundert geworden. Und alle wissen es – jetzt.

2025 – Ein Jahr, das wohl so Einiges verändern wird.
Die Familie bleibt auf dem Laufenden und das, was am Privaten öffentlich ist, wird hier ergänzt werden.
Drücken wir mal die Daumen, dass die Zeit zum Schreiben genau so bleibt, wie hoffentlich auch die Luft zum Atmen.

Sonnabend, 9. August (2025)

Der Diskobolos von Myron

Die ursprüngliche Bronzestatue des Diskobolos von Myron ist nicht erhalten, doch zahlreiche römische Kopien sind in Museen und Sammlungen auf der ganzen Welt zu finden. Eine der aus Stein geformten Repliken befand sich auf dem Gelände der DHfK, der Deutschen Hochschule für Körperkultur in Leipzig. Zusammen mit weiteren, überlebensgroßen Monumenten römischer und griechischer Sportler, so ein Speerwerfer und zwei Staffelläufer. 
Unser Vater gehörte zum Gründungskollektiv der DHfK, war maßgeblich auf Aufbau der Sporthochschule beteiligt und später Hochschullehrer.
Er hatte zeitlebens eine besondere Beziehung zu diesen in Stein gehauenen Figuren. Unter anderem aus diesem Grund hat er jetzt eine, von einem spanischen Bildhauer gefertigte, Marmorreplik direkt an seiner letzten Rühestätte zur ewigen Erinnerung stehen.

Zur Geschichte der Original-Skulptur:

Diese von Myron ca. 460–450 v. Chr. geschaffene Statue aus Bronze gehört in die antike Hochklassik. Sie zeigt einen rhythmisch bewegten, kraftvollen und stolzen Athleten in der Aktion. In dieser Aktion wählt Myron den einzigen Moment der Ruhe, gewissermaßen den toten Punkt.

Die Skulptur lässt restlos das archaische Prinzip der Frontalität fallen zugunsten einer Bewegung und räumlichen Gestaltung der Plastik, die erst im Barock (David von Bernini) und im 19. Jahrhundert von Auguste Rodin wieder aufgegriffen wurde. Auch die bis dahin übliche Axialität scheint völlig aufgehoben worden zu sein.

Der Diskobolos ist durch eine 1,55 m hohe römische Marmorkopie im Römischen Nationalmuseum in Rom überliefert, die 1781 auf dem Esquilin gefunden wurde. Das Bronzeoriginal ist nicht gefunden worden, es stand vermutlich in Delphi oder Olympia. Bereits kurze Zeit nach dem Auffinden dieser Kopie gelang es dem italienischen Archäologen Carlo Fea, diese Kopie nach den antiken Beschreibungen als den Diskobolos des Myron zu identifizieren. Eine weitere Kopie aus Marmor wurde in der Villa Adriana (Villa des Kaisers Hadrian) in Tivoli gefunden. Insgesamt sind sechs römische Kopien fragmentarisch erhalten geblieben. Daneben eine kleine Bronzefigur und eine Gemme, die sich in London befindet. Die Gemme trägt neben dem Diskobol die Aufschrift Hyakinthos. Daher vermuten manche Fachleute, dass es sich bei der Skulptur des Myron nicht um eine Athletendarstellung handelt, sondern um die Statue des Hyakinthos, der sich nach der griechischen Mythologie mit Apollon im Wettstreit beim Diskuswerfen befand.

(Quelle: Wikipedia)
 

Mittwoch, 5. November (2025)

Das trockene Leben

Damals ist es mir erspart geblieben. 

Heute hole ich es an Land nach. Das Schicksal holt uns wohl immer ein!

Ein stiller Beobachter unserer eigenen Vergänglichkeit.

 

Freitag, 10. April (2026)

Hochzeitstag

Heute vor sage und schreibe 117 Jahren, am 10. April 1909, ließen sich meine Großeltern in Ruhla kirchlich trauen. Oma Frieda Mathilde geb. Jung (†1966) und Arno Emil Caspari (†1947) heirateten in der Ev. St. Trinitatis Kirche in Ruhla. 
Das war Anlass für mich, vor rund zwei Monaten mit dem Verein dem inzwischen zur Kulturkirche umgebauten Gebäude Kontakt aufzunehmen, ich wollte den entsprechenden Eintrag im Kirchenbuch, Jahrgang 1909, “überprüfen”. Leider bekam ich auf meine schriftliche Anfrage keine Antwort, so dass ich Freitag auf gut Glück und auf ein langes Wochenende ins alte Ruhl fuhr, mich im Hotel Thalfried einbuchte – und ja, es ist außerhalb der Saison, ich hatte tatsächlich zunächst das gesamte Hotel mit seinen unendlich vielen Zimmern und sonstigen Einrichtungen für mich ganz allein – um am Sonnabend dann telefonisch nachzufragen, was aus meiner Kontaktaufnahme geworden ist.
Leider war die Vereinsvorsitzende nicht übermenschlich hilfreich und es fand sich im gesamten Förderverein der Kulturarbeit kein Mitglied, der mich mal eine Viertel Stunde das neue Innenleben der Kirche anschauen ließ. Ist halt Wochenende und die Städter aus Sachsen sollen sich mal nicht so haben. Immerhin erfuhr ich, dass die Kirchenbücher mittlerweile zur Concordia Kirche weitergereicht wurden. Nächster Step also die rund 8 km entfernte, 1661 geweihte St. Concordia Kirche, die natürlich um diese Zeit auch verschlossen war. Aber der große Vorteil, das Pfarrhaus steht gleich nebenan und Pfarrer Reuther wohnt über dem Büro. Eine Klingel hat er auch und einen Schlüssel für die Tür. So konnten wir in aller Seelenruhe (!) ein paar Worte wechseln und ich erfuhr, dass er die betreffenden Kirchenbücher vor ca. 3 Wochen in das Landeskirchenarchiv nach Eisenach gegeben hat. Das hat natürlich am Wochenende nicht geöffnet.
Mit dem Ergebnis, meine letztliche Recherche ist noch nicht beendet.

Doch so ein Wochenende hat auch 24 Stunden jeden Tag.
Deshalb habe ich in Ruhla ein paar alte Fleckchen (auf)gesucht, die ich vor rund 60 Jahren zuletzt gesehen hatte.
Da ist zum einen die Wohnung, in der Oma Mathilde wohnte. Karolinenstraße 56.
Aber Fehlanzeige. Das Haus wurde bereits in den frühen 80ern abgerissen. Und mit ihm auch gleich die beiden Nachbarhäuser 52 und 54. Zurück blieb eine Baulücke und es gelang mir vorerst auch nicht, eine historische Ansicht dieser Häuserzeile aufzutreiben. da muss ich mal das recht umfangreiche Bild-Archiv meines Vaters durchforsten, da wird sich schon was finden.
Bis dahin hab ich mir von alten Luftbildern, uralten Erinnerungen und gerade vielgepriesener KI helfen lassen. Das Ergebnis seht ihr hier, ganz links die Hausnummer 58, die heute noch steht und rechts daneben… so oder ziemlich ähnlich sah es in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts dort aus. Aber irgendwie kamen die Menschen damit damals klar. Schon erstaunlich.

Die Karolinenstraße damals (KI-generiert).

Die Karolinenstraße heute.

Danach bin ich noch ein Stück weiter an den städtischen Dorfrand, in die Philipp-Müller-Straße 34, denn dort ist das Geburtshaus der besagten Oma Mathilde. Naja, ist es dann natürlich auch nicht mehr. Erstens heißt die Straße jetzt Altensteiner Straße, immerhin blieb die Hausnummer erhalten und Häuser stehen dort auch nicht mehr. Das Grundstück, auch um den ehemaligen Zeltzplatz gleich hinter dem Schwimmbad, hat sich zu einem tollen Erholungsgebiet gemausert. Darauf einige hochmoderne und super ausgestattete Holz-Ferienhäuser mit riesigen Glasfronten und Sicht bis zur integrierten Sauna. Die Infrastruktur der Ferienhaus-Lichtung – so der Name des Anwesens – kann sich genau so sehen lassen wie der Mietpreis pro Nacht. Es war auch recht leer, genau wie das Hotel. Liegt es an der Nebensaison?

Ein Hotel für mich 🙂

Wie auch immer, ein gut gefüllter Tag bei bestem Wetter und offenem Dach. Wie meinte mein Nachbar, als ich zurückkam “Haste ihn mal wieder richtig brüllen lassen?” – Ja, habe ich.
Ein Tag im Leben eines sächsischen Thüringers…


update vom 14.04.2026:

Heute kam eine e-mail aus dem Landeskirchenarchiv in Eisenach von Johannes Röder, der den gesuchten Auszug aus dem Kirchenbuch als Bildanhang schickte. Feiner Kundendienst, Danke.
Hier ist er – denn ich weiß, dass es Interessenten gibt, die dieses blog und seine Inhalte verfolgen.

Aus welchen unerfindlichen Gründen auch immer, jedenfalls hat der Kirchenangestallte damals den unterstrichenen Nachnamen falsch geschrieben und es auch in der Wiederholung nicht korrigiert. Die korrekte Schreibweise (Caspari mit C) geht in den mir vorliegenden Dokumenten zurück auf das Jahr 1765 zu Caspar Caspari, der 1. Mann der 1844 verstorbenen Margaretha Elisabeth Köder, geb. Saft. Und wird in allen folgenden Generationen ebenfalls mit C geschrieben.

Hier der “übersetzte” Text:

Namen des kirchlich getrauten Ehepaares
Kaspari Arno, Emil, Fabrikarbeiter, aus Kloster Allendorf, Sohn des Tagelöhner Friedrich Kaspari zu
Kloster Allendorf und seiner Ehefrau Susanne, Margarethe,
geb. Scharfenberg, geboren am 19. April 1885 zu Kloster Allendorf und
Frieda, Mathilde Jung, Tochter des verstorbenen Arbeiter Berthold, Kuno Jung und seiner Ehefrau Friederike, Elise geb. Tannert, geboren am 12. Oktober 1890 zu Ruhla
(?)

Tag der Eingehung der Ehe vor dem Standesbeamten
d. 10. (Zehnten) April 1909

Tag und Ort der kirchlichen Einsegnung
d. 10. (Zehnten) April 1909
i. hiesiger Kirche


update vom 24.10.2026:

© 2026. casus.