Der Politische Asche-Mittwoch, Folge 27 ‘Feuer Frei, Herr Hitler!’

Hitler? War das nicht dieser verrückte Österreicher? – Das ist doch schon sooo lange her!
Stimmt, ist es. Aber es war gestern, quasi unvergessen.
Deutschland und das deutsche Volk werden ihre Geschichte nicht aufarbeiten, geschweige denn bewältigen können, wenn Hitler “schon so langer her” ist und die heutige Generation an den Verbrechen der Väter und Mütter, der Großväter und Großmütter nicht mehr gemessen werden will.
Diese Erinnerung lebendig zu halten, sie in ihren historischen Kontext einzubetten und damit einen Beitrag, eigentlich DEN Beitrag, zur Geschichtsklitterung, sorri, Geschichtsbewältigung zu leisten, dafür ist es angetreten: Das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden.
Ich habe es am (Wieder)Eröffnungswochenende besucht und war in vielerlei Hinsicht überrascht. Möglicherweise kann das jedem so gehen, wenn er in gewisser Weise unvoreingenommen sich dem Objekt aus Sand, Stein, Stahl und Glas nährt.
Die dem historischen Bau verpasste ‘Speerspitze’ aus der Feder von Stararchitekt Daniel Libeskind ist da noch das kleinere der Ohs und Ahs. Ist doch Libeskind bekannt für extravagante Um- und Neubauten. Denken wir da zum Beispiel an den Neubau auf Ground Zero in NYC, an Keppel Bay in Singapur oder auch das Denver Art Museum. Allsamt Architekturen, die auch ohne Markenlogo eindeutig zugeordnet werden können.
In Berlin hat der in Polen geborene und jetzt in den USA lebende Libeskind 1994 ein Projekt übernommen, das jetzt 7 Jahre und 62 Millionen Euro später das Aushängeschild einer Bundeswehr sein soll, die nach Nazilaufbahnen, nach weltweiten Kriegseinsätzen wider den Geist der Grundgesetzväter und nach Abschaffung der Wehrpflicht dringend ein neues Image benötigt. Und so ist es dann auch nicht verwunderlich, wenn zum Eröffnungstag sich die militärische mit der politischen Elite des Landes in Berlin zum Dinner verabredet und der Bundesverteidigungsminister euphorisch auf den arabischen Schriftzug in der schwarz-rot-gelben Truppenbemalung an einem völlig durchsiebten NATO-Jeep zeigt. Das ist gelebter Demokratieexport.
Dem Kurator der Ausstellung Gorch Pieken fällt es dann auch nicht leicht, mit warmen Worten eine Kriegs- und Waffenschau zu verkaufen, die tatsächlich weit über den heiligen Schein eines Armee-Fuhrparks hinausgeht.
Spätestens an dieser Stelle wird der bis dahin freiwillig neutrale Besucher auf den Boden der Realität zurückbeordert, wenn er nach als Bombenträger benutzten Schafen mit abgerissenen Gliedmaßen und nach dem hakenkreuzverzierten und hochglanzpolierten Marlene Dietrich-Klavier die Vorschulkinder eines jungen Pärchens zu Original-Hitler- und Göbbelsreden an das ‘deutsche Volk’ hopsen und tanzen sieht. Makaber!
Nach unserem Ausflug in Vergangenheit und Gegenwart des deutschen Militärs und resümierend kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, diese Nabelschau der Kriegsgeschichte eher als Werbeträger denn als Aufklärer zu betrachten.
Obwohl bautechnisch und künstlerisch anspruchsvoll, sind inhaltliche Schwächen und falsch gesetzte Bezugspunkte unverkennbar.
Pressesprecher Major Lars Patrick Berg hatte dann auch sichtlich Mühe, das hehre und anerkennenswerte Bemühen um wirkliche Geschichtsaufarbeitung herauszufiltern. Allein der Versuch ist lobenswert.
[podcast] 8 min.
Ton- und Zeitdokumente dieses Beitrages gehen neben eigenem Material auf das Büro Daniel Libeskind und eine Focus-Recherche zurück. Der O-Ton Hitler/Goebbels wurde nachgestellt, der O-Ton Adenauer der Ausstellung entnommen. Besten Dank auch an Major Berg für die unkomplizierte Unterstützung bei Rundgang und Interviewbereitschaft.
(c)casus. 2011
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… kann man überlegen, René, ja. Vielleicht wenn die Zugriffszahlen etwas besser werden. Immerhin haben den “Echte Demokratie…”-Artikel fast 200 user angeklickt, davon die gute Hälfte den podcast angehört. Ich leg mal intern für mich fest, wenn jeder blog-Beitrag mindestens einmal kommentiert und im Stile einer guten Ratingagentur “bewertet” wird, denke ich ernsthafter darüber nach 🙂
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