Bob Hanning und die Scherbenhaufen

Nun bin ich kein Insider und treibe mich auch nicht backstage in Mannschaftskabinen rum, aber ich bin handballinteressiert und als lebenslanges DHfK-Fanmitglied nicht ganz so unbeleckt.
Vor knapp zwei Jahren schrieb ich einen Beitrag in meinem blog “Aufstieg und Fall des Karsten Günther” – seines Zeichens Geschäftsführer des SC DHfK Leipzig Handball. Der Artikel steht noch online, ist aber privat. Ich will niemand verletzen mit meiner ganz persönlichen Meinung.
Damit zum Kern dieses Beitrages.
Im Sommer 2017 wurde der Erfolgstrainer Christian Prokop nach langem Tauziehen und mit viel Geld dem aufstrebenden SC DHfK entrissen, eine Karriere als Trainer der Nationalmannschaft über WM und Olympische Spiele hinaus in Aussicht gestellt.
Bob Hanning, Geschäftsführer der Reinickendorfer Füchse Handball Vermarktungsgesellschaft mbH in Berlin, die der wirtschaftliche Träger der Füchse Berlin ist und seit 2005 in diesem Amt tätig, war einer der Initiatoren dieses schmutzigen Deals. Schmutzig, denn obwohl Hanning als Vizepräsident Leistungssport des Deutschen Handballbundes damals kundtat „Christian Prokop wird unser Bundestrainer für die WM 2019, das große Ziel 2020 und die Zeit darüber hinaus. Wir bekommen für unsere Nationalmannschaft einen jungen und modernen Trainer, der den Willen zur Entwicklung lebt. Prokop und das Potenzial des deutschen Handballs – das passt. Ich freue mich auf die Impulse, die unser neuer Bundestrainer der Nationalmannschaft geben wird.“ wurde Prokop noch vor den Olympischen Spielen gefeuert und durch den gealterten Alfred Gislson ersetzt.
Ziel erreicht, meinte ich damals, den SC DHfK als künftigen Konkurrenten ausgeschaltet, freie Fahrt für die Füchse Berlin.
Welches Potential Christian Prokop hat, zeigt er derzeit mit dem langfristigen Aufbau des Handballs in Hannover.
In Leipzig blieb ein Scherbenhaufen zurück, mangels Geld, Leistung und Teamgeist verließen die Leistungsträger den Verein und spielen heute sehr erfolgreich in diversen Teams der Handball Bundesliga.
Doch das Schmierengeschäft geht weiter.
Die am Saisonende 2025/26 auslaufenden Verträge von Trainer Jaron Siewert und dem sportlichem Leiter Stefan “Kretzsche” Kretzschmar wurden in der laufenden Saison bisher nicht verlängert, vor beiden stand eine ungewisse Zukunft. Ihnen wurde die Chance bisher genommen, sich neu zu orientieren, falls nicht verlängert wird oder weiterhin aktiv sich einzubringen, wenn sie über das Saisonende hinaus Verantwortung übernehmen sollen.
Mit Stefan Kretzschmar ist solch ein Umgang nicht zu machen. Er zog daraufhin die persönliche Konsequenz, Schluss in Berlin nach der Saison!
Hanning stellte ihn und Siewert gleich mit, daraufhin umgehend frei. Machtspiel. Mit dem Dänen Nikolej Krickau hatte Hanning längst einen Nachfolger gefunden.
Wie geht es weiter?
Der SC DHfK ist ein Abstiegskandidat dieses Jahr und die Füchse Berlin müssen umdenken, wollen sie weiterhin erfolgreich sein. Heute bereits können sie beweisen, dass es trotz Bob Hanning in ihren Köpfen keinen Nachdenkbrei gibt.
Mein Tipp: Der SC Magdeburg legt gegen die Füchse heute am 3. Spieltag den Grundstein für die Meisterschaft 2025/26.
Und Kretzsche greift seinem Freund aus alten Tagen, Karsten Günther, in Leipzig bis Saisonende unter die Arme und geht danach nach München, wo er u.a. mit Dominik Klein großes vorhaben dürfte.
Außerdem geh ich fest davon aus, dass Kretsche als Gallionsfigur des deutschen Handballs diesen auf höchster Ebene begleiten wird.
Warten wir es ab.
Der nächste Scherbenhaufen wäre einer zuviel.
(c) casus. 6. Sept. 2025, 15:10 Uhr


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