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»Der Politische Asche-Mittwoch« Folge 57 ‘Olympische Spielzeuge’
Keine schlechte Idee, die die alten Griechen da seinerzeit geboren und die Römer, mit Brot garniert, perfektioniert haben. Alle vier Jahre wird das Volk auf Leistung getrimmt, fernab anstehender politischer Grundsatzentscheidungen; Spielzeuge für Erwachsene!
Aber was heißt schon perfektioniert? – London 2012 zeigt erneut, es geht immer mehr.
Eine Stadt feiert, feiert grenzenlos, die Welt feiert mit. Allein in der Eröffnungsnacht tanzte das Volk an der Themse auf den “streets of London” open end.
Unvorstellbar, was passiert wäre, hätte der Leipziger Zwerg sich gegen die Millionenmetropolen durchgesetzt. Hier werden zum kulturellen Höhepunkt, zum kulturellen Mitmach-Höhepunkt, die Bürgersteige 22 Uhr hochgeklappt und der Saft aus den stadteigenen Kraftwerken wird abgeknipst. Die 18. Classic Open ganz unolympisch – langsamer, tiefer, kürzer! Da erzähle mir mal noch einer, die Olympiabewerbung ist an fehlenden Hotelbetten gescheitert. Schwachsinn!
Ursachenforschung? – Tja, vielleicht Überheblichkeit, Größenwahn, Geltungsbedürfnis, Machtstreben? Mit Sicherheit nicht Gemeinsinn, Fröhlichkeit, Kulturbedürfnis…
Dabei hätten den bombastischen Spielen auf der Insel durchaus etwas Besinnlichkeit, Ruhe und Rückbesinnung auf alte Tugenden gut getan. Sportliches Kräftemessen unter gleichen Voraussetzungen war einmal. Abgelöst von bedingungsloser Medienhetze haben die Sportler nur noch eins im Kopf, den Erfolg um jeden Preis, das große Geld ohne Rücksicht auf den Konkurrenten. Ausnahmen? Fehlanzeige.
Da kommen die Schwimmer zu ihren Wettkämpfen einzeln an den Startblock, angekündigt wie Gladiatoren in der Arena und kaum sind sie Platz 5 mit persönlicher Jahresbestzeit geschwommen, müssen sie dem am Beckenrad auf Sensation heischenden Reporter die Ursache ihres “Versagens” erklären.
Vor mehr als zwei Dutzend Jahren orientierte sich der Leistungssport an wissenschaftlichen Maßstäben, der Leistungszenit konsequent auf den Saisonhöhepunkt ausgerichtet, leistungsstimulierende Dingens gab es hier wie da. Heute muss der Athlet Bestleistung permanent erbringen, sonst sinkt der Marktwert und dann helfen auch die Epos und diversen Stimulanzen nicht mehr.
Das System Leistungssport unter derzeitigen Vorzeichen gehört auf den Prüfstand der Geschichte. Der Ausspruch “sieh’ es sportlich” ist schlicht in seiner ursprünglichen Bedeutung überholt.
Immerhin gab es am dritten Entscheidungstag die erste Medaille für das deutsche Team, wenn auch am grünen Tisch, wenn auch nach 17 Edelmetallen allein der aufkommenden Sportnation aus Fernost.
Sehen wir es sportlich.
(c)casus. 2012
Die Karikatur wurde mir freundlicherweise von Harm Bengen zur Verfügung gestellt.

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