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Wer trinkt noch Kaffee?
Deutsch für Fortgeschrittene …
… denn wie so oft, kann man diese vier Wörter unterschiedlich interpretieren.
– Wer (außer mir) trinkt auch Kaffee?
– Wer trinkt überhaupt noch Kaffee (und nicht Tee oder Rum)?
Gut, gemeint in diesem Fall… Ich trinke meist am frühen Morgen und gern auch zwischendurch, spätestens am Nachmittag, Kaffee, manchmal auch spätabends noch, wenn der Appetit sich nicht verweigert. Da ich eh erst ins Bett krieche, wenn ich müde bin, schlafe ich so oder so ein. Hat also keinen spürbaren Einfluss, was ich zuletzt konsumiere habe.
Heute morgen stolperterte ich über eine ungefragt eintrudelnde Werbung “Berserker Coffee” zu einem stolzen Preis, versteht sich.
Das nahm ich zum Anlass, mal mit meinen bevorzugten Sorten zu vergleichen und vielleicht lohnt ja doch ein Umstieg?
Die Werbung versprach den perfekten Kaffeegenuss und um den Preis zu rechtfertigen, liegen dem Versanpaket noch ein paar Gimmiks bei, ein Löffel, eine Dose, eine Tasse.
Was aber steckt wirklich dahinter, ich habe mir das genauer angesehen.
Berserker Coffee wird tatsächlich in einer eigenen Rösterei in Fürth geröstet. Das Unternehmen nennt als Betreiber die Röstsyndikat GmbH und beschreibt eine eigene Manufaktur sowie ein Fluid-Bed-Röstverfahren. Das ist also nicht einfach ein Handelslabel, das fertig gerösteten Kaffee eines Großrösters umverpackt. Berserker ist durchaus ein professionell produzierter Kaffee aus einer eigenen Rösterei. Das Fluid-Bed-Verfahren ist ein maschinelles Röstverfahren – also keineswegs Handröstung im kleinen Trommelröster.
Das Paket enthält 3 × 500 g Kaffee, also 1,5 kg, plus Tasse, Kaffeedose und den sogenannten „Schwøffel“. Der reguläre Paketpreis wird mit 114,85 € angegeben, der aktuelle Angebotspreis mit 62,97 €. Das ist für mich irreführend, denn der Kaffee selbst wird momentan ohnehin mit 41,98 €/kg verkauft. Der eigentliche “Vorteil” des Pakets besteht vor allem darin, dass du zusätzlich Tasse, Dose und Löffel bekommst, was man meist ohnehin im Haushalt reichlich hat.
Der klassische Berserker Coffee ist 100 % Robusta, laut Hersteller aus Indien. Das ist nicht schlecht – ganz im Gegenteil. Robusta kann hervorragend sein. Aber 41,98 €/kg für einen 100%-Robusta ist eine Ansage. Die Werbung verkauft ihn vor allem über:
- extrem hohen Koffeingehalt
- kräftigen Geschmack
- geringe Säure
- schokoladig-nussige Aromen
- „stärkster Kaffee“
- aufwendige Markenwelt.
Das ist etwas anderes als ein klassischer Specialty Coffee, bei dem Herkunft, Varietät, Farm, Ernte, Aufbereitung, Röstprofil und sensorische Bewertung transparent dokumentiert werden. Trotzdem sehe ich keinen Grund, den Kaffee als minderwertigen Industriekram abzutun. Berserker gibt an, jede neue Rohkaffee-Ernte durch Intertek auf Pestizide, Mykotoxine und Koffeingehalt untersuchen zu lassen. Das Unternehmen stellt dazu Laborberichte bereit. Doch Schadstofffreiheit ist nicht gleich außergewöhnlicher Geschmack. Ein Labor kann zeigen, dass ein Kaffee bestimmte Schadstoffgrenzwerte einhält. Es kann nicht beweisen, dass er geschmacklich 40 €/kg wert ist. Auf Trustpilot gibt es Einzelmeinungen, u.a. schreibt einer, dass die versprochene Frische nicht nachprüfbar sei, da kein Röstdatum angegeben sei.
An dieser stelle muss ich dazusagen, ich habe den Kaffee weder gekauft noch probiert, stattdessen einen trockenen Vergleich mit den von mir bevorzugten Kaffeesorten angestellt. Hier das Ergebnis und danach würde mich interessieren… Trinkt ihr noch Kaffee? Und wenn JA, welchen und warum?
Ich trinke Costa Signature Blend – Medium Roast, Gimoka Aroma Classico – Intensität 10 und Barista Bros Espresso Blend – Dark Roast. Diese sind allsamt kräftig, vollmundig, wenig Säure, eher schokoladig/nussig, klassische Espresso-Crema – nicht fruchtig oder säurebetont.
Der Costa Signature Blend ist eine Arabica-Robusta-Mischung, mittlerer Röstung und Intensität 8; Costa beschreibt ihn ausdrücklich als „smooth & nutty“. Kommt auch hin, ohne der absolute Kaffee-Freak zu sein.
Der Gimoka Aroma Classico ist noch deutlich kräftiger: Intensität 10 und – nach den verfügbaren Produktangaben – eine Mischung mit hohem Robusta-Anteil. Laut Verpackung 40 % Arabica / 60 % Robusta.
Bei Barista Bros steht sogar ausdrücklich „Espresso Blend – Dark Roast“ und „For Professional Use“ auf der Packung.
Damit würde ich sie so einordnen:
Costa Signature
→ am ausgewogensten
→ nussig, weich, etwas eleganter
→ weniger „Wumms“, dafür wahrscheinlich der angenehmste Allrounder
Gimoka Aroma Classico
→ der klassische italienische Espresso
→ deutlich kräftiger und körperreicher
→ viel Robusta = kräftige Crema und mehr Koffein
→ vermutlich genau deshalb einer meiner Favoriten
Barista Bros Dark Roast
→ der kompromissloseste in Richtung dunkel, kräftig, röstaromatisch
→ weniger auf feine Nuancen, mehr auf Körper und Espresso-Charakter
Berserker wäre dann so etwas wie die Radikalisierung meiner gewohnten Sorten. Ein interessantes Experiment, aber als offensichtliches Preis-Leistungs-Upgrade nicht vertretbar. Aufgrund der belegbaren Produktdaten ergibt sich für mich kein Grund zu sagen, dass Berserker qualitativ das Dreifache des Gimoka wert ist.
Guten Appetit.
Hinweis: unabhängiger Erfahrungsbericht
Bei den in diesem Artikel vorgestellten Kaffees handelt es sich um meine persönliche Auswahl und Einschätzung. Ich habe die genannten Produkte selbst in Gebrauch und erhalte von den genannten Herstellern oder Händlern keine Vergütung, Provision, oder sonstige Gegenleistung für diesen Beitrag. Der Artikel stellt daher keine bezahlte Werbung und keine Kooperation dar.
Die genannten Marken und Produkte werden ausschließlich deshalb erwähnt, weil ich sie selbst trinke und meine persönlichen Erfahrungen damit beschreibe. Meine Bewertung ist subjektiv und erhebt keinen Anspruch auf eine allgemeingültige Qualitätsbewertung.
© Casus. 2026




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