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Das Sterbewerk*_Episode #025 ‘Selbstbestimmt in den Tod.’
“Aus dem Leben eines Taugewas –
Die un.heimlichen Geschichten des Gordon Blö”
Sterbehilfe.
Ein Wort, das so unkommentiert durchaus als Unwort des Jahres oder der Jahrtausende nominiert, gute Chance auf den Spitzenplatz hätte. Wenn, ja wenn da nicht eine Kommentarfunktion eingebaut worden wäre. Es ist eben kein so banales Wörtchen wie Liebe, Tod und Skiunfall.
Sterbehilfe ist Alltag. Fleischverspeisende Menschenkinder töten alles tierisch Essbare und haben dafür das entschuldigende Domestizieren erfunden. Löwen reißen Giraffen und verspeisen sie genüsslich, das As holen sich die Hyänen. In der Savanne, in der Natur. Im Zoo helfen die Pfleger ein wenig nach. Und im afrikanischen Nationalpark gehen deutsche Amststubensesselforzer auf Großwildjagd. Auch eine Form der Sterbeunterstützung.
Aber Sterbehilfe am Menschen? Eine moderne Form des Schierlingsbechers? Doch das ist fast 2400 Jahre her, als Sokrates seinen Tod frei entscheiden durfte.
Jetzt also die Belgier. Seit zehn Jahren dürfen Erwachsene in BeNeLux unter bestimmten Voraussetzungen über das Ende ihres Lebens selbst mitreden. Heute wird in Belgien diese Möglichkeit auf Kinder übertragen, die Altersschwelle abgeschafft. Ob sich der König wieder kurzzeitig für „regierungsunfähig“ erklären lässt, damit er dem Gesetz, das er mit seinem Gewissen nicht vereinbaren kann, nicht zustimmen muss, ist ungewiss. Möglich allerdings.
Was heißt schon selbstbestimmt?
Es gibt wohl kaum Kreaturen auf unserem Planeten, die in irgendeiner Form auch nur einen Hauch von Selbstbestimmung vor sich hertragen; auch wir Menschen bilden da keine Ausnahme.
Mit der Geburt, eigentlich sogar mit der Zeugung geht es los, wir haben keinerlei Einfluss darauf, was unsere Eltern, ob leibliche oder im Reagenzglas künstlich erzeugte, mit uns vorhaben. Wir können nicht über unser zukünftiges Geschlecht mit entscheiden und nicht darüber, ob wir im armen Afrika oder im reichen München regiert werden wollen. Lebenslang setzen sich Zwänge der „gesellschaftlichen Integration“ fort, wo bitte spricht man da von Selbstbestimmung.
Nicht einmal der Aussteiger, der ohne RTL-Begleitung in den Urwald auszog, um 7 auf einen Streich für das eigene Überleben zu töten, auch er geht permanent selbstunbestimmte Kompromisse ein. Schutzlos vor Regen oder glühender Sonne tötet er fremdes Leben für das eigene Wohlsein.
Ab heute Abend werden in Belgien als erstem Land weltweit Menschen aller Altersklassen frei entscheiden können, ob sie lieber qualvoll und unter dauernden Schmerzen weiterleben oder diesem unwürdigen Leben ein Ende setzen wollen.
Pro und Kontra spalten die belgische und sonstige Gesellschaft, die Katholische Kirche ist kaum zu vernehmen. Müsste doch gerade sie dem unperfekten Erdenleben das himmlische Paradies vorziehen.
Belgien könnte Geschichte schreiben und ich stehe hinter einer derartigen Gesetzgebung.
Wenn, wenn da nicht das Geschäft mit dem Tod wäre! – Wer garantiert, dass jetzt nicht auch jungen Menschen, Kindern, eingeredet wird, sie seien unheilbar, der Schmerz sein nicht temporär, Heilung ausgeschlossen. Nur um an Herz und Niere für den nächsten auf der Warteliste zu kommen?
In Zeiten, wo sich die Gesundheit und das Krankenhaus „rechnen“ müssen, in solchen Zeiten kann von Selbstbestimmung keine Rede sein. Und Sterbehilfe bekommt eine ganz andere Bedeutung.
Und vielleicht entwickelt sich hier und da ein Gesprächseingang zu aktuellen Themen am 6. März im Erwachsenenseminar bei Pfarrer Zemmrich im Markranstädter Land, wenn die Inhalte christlichen Vertrauens streiflichtartig nach einem bereits vorliegenden Themenplan bearbeitet werden – unter anderem auch 90 Minuten zu dem Thema “Sterben und Auferstehung aus christlicher Sicht”.
Offen ist das Seminar für alle, die sich über o.a. Inhalte informieren möchten, die als Getaufte Ihr Wissen auffrischen möchten, die sich mit der Absicht tragen, sich taufen zu lassen. (Pfarrer Michael Zemmrich)
(c)Casus. 2014
»Der (völlig un-)Politische Asche-Mittwoch« Folge 66 ‘2.500 Stadtkilometer – ein Resümee’
“Aus dem Leben eines Taugewas –
Die un.heimlichen Geschichten des Gordon Blö”
‘2.500 Stadtkilometer – ein Resümee’
Die Saison geht langsam zu Ende. Rund zweieinhalb Tausend Fahrradkilometer liegen hinter mir. Arbeitsweg und ein paar Freizeitausflüge. Der Weg zum Büro schlägt dabei mit täglich 30 Kilometer zu Buche, 15 Hin, 15 Her. Außer wenn ich Oma Friedrich* unterm Arm habe, dann kommt der Smart-Bestatter zum Zuge. Und bei Regen aus Gießkannen.
Zeit wird es auch, mit ein paar hartnäckigen Vorurteilen aufzuräumen. Ich kann sie einfach nicht bestätigen.
LKW halten nicht genug Abstand beim Überholen; stimmt soo nicht. Gerade die LKW-Fahrer nehmen mehrheitlich demonstrativ Rücksicht. Fahren geduldig hinter mir her, wenn wir gemeinsam durch Baustellenabsperrungen, Fahrbahneinengungen und Holperbelag auf Leipzigs Straßen unterwegs sind. Ganz anders die vor allem kleineren PKW. Gefühlte 30 Zentimeter Abstand sind keine Seltenheit. Da darf man nicht wackeln oder einem Schlagloch ausweichen.
Fahrradfahrer sind ohne Licht unterwegs; stimmt soo auch nicht. Von ebenfalls gefühlt rund 200 Mit- und Entgegenkomm-Radlern haben höchstens 10 kein ausreichend Licht am Rad. Immer noch zu viel, aber auch an den Kraftfahrzeugen scheint nicht alles, was nach Lampe aussieht. Gerade jetzt in der Herbstzeit ein Unsicherheitsfaktor.
Lichtsignalanlagen steuern einen flüssigen Verkehrsfluss; stimmt – jedenfalls in Leipzig auf der Strecke Ost nach Grünau ganz und gar nicht. Gestern habe ich mitgezählt. Ich bin auf diesen 15 Kilometern in eine Richtung ca. ¾ der Strecke fernab von Autostraßen unterwegs. Nutze abgelegene Rad- und Waldwege, so durchs Leutzscher Holz und die Umgehung nach Grünau am Elster-Saale-Kanal entlang. Trotzdem müssen genau 18 mit Elektrik bestückte Kreuzungen passiert werden. Davon zwangen gestern aufgrund ihrer roten Signalfarbe 13 Ampeln zum Halt und Absteigen. Von den restlichen 5 sind 2 eher selten benutzte Fußgängerüberwege mit manueller Handbedienung, die ohnehin meist nur von sich einen Jux daraus machenden Kindern benutzt werden. Die Erwachsenen gehen einfach bei Rot. Oft genug.
Bleiben 3 grün-leuchtende und damit die Weiterfahrt garantierende Wegbereiter. Ein mieser Schnitt für den Zentralrechner.

Schwimmbadradweg
Und – es ist eine Mär, dass Autofahrer mit ihren Fahrzeugen die Fußgänger einsauen. Nein, die Radfahrer spritzen den Pfützeninhalt an die Autos. Basta.
Nach der Saison ist vor der Saison. Es kann noch besser werden.
©casus. 2013
Foto: Ossietzkystraße am 13. November 2013 gegen halb 8. (Ihr könnt die Daten auslesen!)
»Der Politische Asche-Mittwoch« Folge 64 ‘Der 16. Sonntag nach Trinitatis’
So, wie die Sonnabende sich von den Samstagen und sowieso von den Sonntagen unterscheiden, so war gestern der wohl letzte herrliche Sommersonnen- und heute der wohl erste nieslig-kühle Herbst-ohne-Sonnen-Tag. Jedenfalls für dieses Jahr.
Und es war seit Jahren, vielleicht sogar einem Dutzend Jahren, mein erstes internetloses Erholwochenende. Kann ja mal passieren. Ist passiert. Noch dazu gewollt.
Zwei Tage ab an die Niedrig-Wasser-führenden Elbwiesen bei Diesbar-Seußlitz, gemeinsam mit Freunden. So richtig mit überreife Weintrauben stibitzen und ellenlange Wanderungen entlang den Ufergebieten auf sich nehmen. Inklusive Pilze-lose Sammelergebnisse, trotz künstlicher Feuchtgebiete. Es gibt durchaus Schlimmeres.
Der Sonntag war ein gespaltener.
In Diesbar bereits ausgecheckt – wir hatten uns ein riesengroßes Hotelzimmer geleistet – musste natürlich Meißen als Zwischenstation auf dem Heimweg herhalten. Das volle Programm. Porzellanmanufaktur, neun Euro Eintritt und 30 Japaner vor uns in der Schlange. Nein, Danke. Stadtrundfahrt, fünf Euro, angeblich aber nur etwas für Lauffaule und Gehbehinderte. Wir verzichten.
Bei Kai Kunath habe ich mich dann aber doch noch festgebissen.
Kai hat ein Antik-Porzellan-Geschäft in der Burgstraße, beste Lage für Laufkundschaft, die, den Blick nach oben auf den Domplatz gerichtet, trotzdem die herrlichen Ausstellungsstücke in seinem Schaufenster nicht übersieht. Ein übergroßes, Aquarium-ähnliches Glas-Etwas, gefüllt mit Scherben vom 2010er D-Day in der Porzellanmanufaktur. Damals wurden die herrlichsten Stücke zerschlagen und entsorgt. Platz für Neues, angeblich Besseres, Teureres sollte her.
Kai hat gesammelt und stellt diese heute aus. Scherben, die nichts mehr wert sind und trotzdem uns vor Augen halten, was Menschen in hellen Manufakturhallen erschaffen können.
Leider ging Kai nicht an sein Telefon und der im Laden anwesende Angestellte fühlte sich nicht befugt, mir eine Scherbe zu schenken. Ich wollte sie in meinem Büro neben der Zierurne aus Meißner Porzellan gemeinsam mit seiner Visitenkarte platzieren. Fremdwerbung nennt man das wohl. Aber wie gesagt, ich wollte. Vorbei ist vorbei, Kai.

Gottesdienst in der Domkirche zu Meißen
Immerhin waren Pfarrer Michael Markert (Liturg, Predigt) und an der grandiosen Orgel Kantor i.R. Eberhard Fritzsch pünktlich um 12 Uhr in der Meißner Domkirche vor Ort. Schon allein für diese 50 Minuten hat sich der Trip an die Elbe gelohnt.
Wer es nicht kennt, unbedingt nachholen. Jeden Sonntag high noon für die Dom-Gemeinde. Mangels einer eigenen Stammgemeinde. Was offenbar kein Mangel ist.
Ein kleines Mitbringsel fiel dann doch noch ab, Dimitri Schostakowitschs Puppentanz, gespielt auf dem Porzellanglockenspiel der Meißner Frauenkirche. Da spielt es keine Rolle mehr, ob am Sonnabend die Sonne scheint oder Sonntag leichter Niesel den Domplatz heimsucht.
Der Domplatz, auf dem noch vor wenigen Wochen Ritchie Blackmore seine weiße Stratocaster traktierte. Meißen ist halt zu jeder Jahreszeit eine Reise wert.
Auch am 16. Sonntag nach Trinitatis, dem Sonntag zwischen zwei Ostern.
©casus. 2013.
Das Sterbewerk*_Episode #020 ‘Sterben, von außen gesehen.’
“Die Schlampe ist am Abkratzen. Statt in Urlaub zu fahren, muss ich nun wohl den Sargträger spielen.”
Renate, mit 45 Jahren in der Mitte des Lebens stehend, hört genau diese Worte ihres Schwagers, als sie nach einer Schädeloperation entgegen allen Vorhersagen der behandelnden Mediziner wieder aufwacht. Vielleicht hätten die Männer in Weiß wohl doch etwas mehr Sorgfalt beim Verschluss der Schädeldecke walten lassen und die Naht sauber ziehen sollen, denn auch die Worte des OP-Teams “Wir können provisorisch schließen, den Eingriff überlebt sie nicht.” hat Renate unmissverständlich wiedergeben können.
Diese Geschichte – in Anlehnung an Jörgen Bruhn, “Blicke hinter den Horizont” – stimmt nachdenklich. Gibt es tatsächlich Dinge zwischen Himmel und Erde, von denen wir kein Wissen, ja nicht einmal den Schimmer einer Vorahnung haben?
So schnell wird das niemand genau sagen können, denn wirklich zurück (!) ist noch niemand gekommen. Glauben wir jedenfalls.
Renate starb vier Tage später dann doch, an den Folgen einer Knochenentzündung aufgrund unsachgemäßer Naht zwischen den Schädelöffnungen. Ein Kunstfehler.

Nadine, Markus und Sabine
Diese und andere Erzählungen und Geschichten von Menschen aus Geschichte und Gegenwart haben uns letztlich veranlasst, in der Reihe KULTur im LeipzIGER OSTEN das Thema aufzugreifen, zu analysieren, darüber zu sprechen, mit Erfahrenen und Unerfahrenen und vielleicht einen Denkanstoß zu geben, dass es durchaus real ist, sich Gedanken um das Hier und Jetzt und das Später und Überspäter zu machen.
Ein interessiertes Publikum diskutierte mit Markus Garling vom Netzwerk Nahtod in Leipzig, Sabine Mehne las aus ihrem Buch „Licht ohne Schatten“ und Nadine Maria Schmidt lieferte den musikalischen Rahmen für geschlagene drei Stunden am Samstag-Nachmittag.
Natürlich haben wir das Thema nicht erschöpfend behandeln und ausdiskutieren können und natürlich blieben Fragen und unterschiedliche Sichtweisen. Daran wird sich möglicherweise in den nächsten hundert Jahren auch nichts ändern.
Denn so warm, hell und angenehm dieses Leben zwischen den Welten, zwischen Leben und Tod, hinter dem Leben und vor dem Tod, auch beschrieben wird. Es ist immer das Leben. Vielleicht eine letzte Phase, vielleicht eine unbekannte Ebene. Es ist nicht das Sterben und auch nicht der Tod.
Jeder noch so detailliert beschriebenen Nahtoderfahrung fehlt das wichtigste Merkmal des Todes, die Irreversibilität. Diese Menschen waren keine Sterbenden, denn sie sind alle zurückgekommen oder nie weggewesen. Sterben dagegen ist ein Weg ohne Wiederkehr. (Hans Grewel)
In diesem Sinne, gestalten wir das irdische Leben, damit es irgendwann genau so angenehm ist, wie heute Nahtoderlebende bereits den „Übergang“ beschreiben. Das ist Aufgabe genug – und dann wohl eher das
Sterben, von innen gesehen. (Hampe)
©casus. 2013

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