Episode Sechs – ‘Gnadenfrist in Leipzig-West’

“Aus dem Leben eines Taugewas –
Die un.heimlichen Geschichten des Gordon Blö”

Da muss man jetzt aber Verständnis zeigen.

Frau hinter Lenkrad

Wenn eine 84jährige Omi, krampfhaft hinter ihrem Opel-Corsa-Lenkrad werkelnd, bei Tempo 40 auf einer acht Meter breiten Leipziger Ausfallstraße den vor ihr fahrenden Radfahrer glattweg übersieht. Sie hat doch schon mit Gas und Bremse voll zu tun, da kann man in ihrem Alter nicht auch noch gleichzeitig das bewegliche Umfeld auf der Straße beobachten. Irgendwo ist auch mal eine Grenze. Wer dafür kein Verständnis hat, das tut mir dann wirklich leid.

Als ich mich aus dem vom Morgendunst pitschnassen Straßengraben wieder aufgerappelt hatte, stand die liebe kleine Frau bereits am Fahrbahnrand. Der hinter ihr fahrende, einen hellen Audi lenkende Handelsvertreter, hatte sie zurückgeholt. Sie war schon um die nächste Ecke abgebogen. Sie hat ja nichts gemerkt, weder die Kratzer an ihrer rechten Fahrzeugseite, noch irgendetwas durch die pluselfkomma starke Hornbrille. Dafür habe ich doch Verständnis.

Nach einigem Hin und Her – erstaunlich, wieviel Geduld solch ein Außendienstler auf dem Weg zum nächsten Kunden aufbringen kann – fuhr Omi Meyer (Name geändert) dann ungläubig und kopfschüttelnd von dannen.
Vielleicht gibt es ja noch breitere Straßen. Acht Meter sind verdammt wenig für einen kleinen Opel Corsa. Und für eine 84jährige Verkehrsteilnehmerin.

Wenn man bei diesem Alter auch kaum noch von “Unschuld” sprechen kann, Verständnis sollte man schon aufbringen.
Morgens halb acht in Deutschland.

(c)casus. 2012
Foto: Quelle unbekannt.


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3 Kommentare

  1. Peer

    Das macht mir Angst! Schlimm ist ja, dass dei “Alten” meist noch nicht mal einsehen das sie die Schuld am Unfall tragen… Ich bin für eine Tauglichkeitsprüfung ab 75 Jahren und von da an immer aller 2 Jahre beim Hausarzt ein reaktionstest! Sicher ist sicher! Peer

    • casus

      Irgend etwas in der Art muss passieren, Peer!
      Die menschliche Evolution kann dem technischen Fortschritt offenbar nicht folgen. Das aber einzusehen, ist mit dem hinterherhinkenden Gehirn unserer Spezies kaum zu erfassen. Ein Teufelskreis.
      Es ist nichts Schlimmes passiert. Diesmal.

      • Peer

        Ich bin froh das noch alles heile ist bei dir. Was ich garnicht an den “Alten” leiden kann ist: Wenn ich Vorfahrt habe und von dieser gebrauch mache, dann ist ein Kopfschütteln, Wischer zeigen und rumtoben im KfZ seitens der “Alten” echt unangebracht. Man merkt das Vorfahrtsregeln für die “Alten” unbekannt sind. Furchtbar!!!