Neulich auf der Buchmesse: Dirk Zöllner
Dirk Zöllner
Ausschnitte aus der Buchlesung im Rahmen von “Leipzig liest” zur Buchmesse 2012
16. März 2012
Großer Saal im Anker, Leipzig
Foto: (c)Matthias Ziegert
Das ist ungewöhnlich.
Nein, nicht dass der Barde im Anker zu Gast ist, wohl aber, dass ein Berliner sich in Leipzig gut beschützt fühlt. Dirk Zöllner ist ein solcher. Willkommen zu Haus.
Kurze Stille … denkt an die Handys … der Künstler ist aufgeregt.
Ist er, er bestätigt das kurz, holt zu einer alten Kamelle aus und ist schon mittendrin. ‘Immer einer’ und ‘… ich denk an die fernen Inseln des Glücks’. Ganz allein auf den traditionsreichen Holzbohlen im Anker, solo zur Gitarre.
Die erste Liedzeile hat wohl Pate gestanden, als ein Titel für seine Biografie gebraucht wurde. Biografie? Hey, Scholle, noch keine 50 und schon der Abgesang? Ich glaubs nicht. Diese, seine Ausdrucksform kommt erst viel später durch. Er braucht das eigene Ego nicht, nicht am Anfang.
Thomas Maser kommt aufs Podium. Ich war nicht dabei, als er am 12. April 2011 mit gerademal 41 Jahren gehen musste, aber ich seh den feigen Sonnenstrahl um die Ecke ins Krankenbett lugen. Scholle lässt mich daran teilhaben.
Es ist mucksmäuschenstill im Ankersaal, 250 Gäste sehen diesen Goldpiekser. Für Thomas jedoch kommt er zu spät.
Hätte ich das Buch in meiner Hand, müsste ich es jetzt weglegen, einen Wodka einschenken und die Tränen abtrocknen. Viel zu plastisch blubbern die Worte von der Bühne runter, Dirk legt nach, ohne Pause.
Gott sei Dank ist es rappelvoll und ich bin Manns genug, meine Rührung für mich zu behalten. Ich kann das ab. Scholle nicht. Seine Gefühle sind wohl nicht nur in die Bio geflossen, nein, sie perlen auch Welle für Welle von da oben herunter. Hoffentlich nimmt er bald die Gitarre wieder zur Hand und überspielt mit lockerer Zunge, flotten Fingern und hellwachen Augen meine Schwäche.
Flori, zieh den Regler hoch, ich hasse die Ruhe.
Endlich, nach gefühlten zwei Stunden, aber in Wirklichkeit wohl nur wenigen Minuten kommt der Mensch da auf der Bühne zur Besinnung und bebildert seinen Lebenslauf. Mein Herzrasen lässt nach, ich kann wieder ruhiger atmen und der Puls kommt wohl auch wieder zum Stillstand. Nicht ganz, hoffentlich nicht.
An dieser Stelle lass ich euch in der Luft hängen.
Dirk Zöllner liest und spielt fast zwei Stunden, Gensi begleitet ihn wo’s passt.
Und wenn am Ende geteilt wird, hat das System, sein System, mein System, vielleicht unser System.
Es gibt immer wieder Lese-Termine, das Buch zu lesen ist das eine, Scholle dabei unter der Mähne zuzusehen, das andere.
Keine Angst, er streicht sie immer mal aus dem Gesicht, die Haare.
Ein ungewöhnlicher Abend.
Ein ungewöhnlicher Dirk Zöllner.
Alles wie gewohnt.
(c)casus. 2012
[podcast, 24:11min]
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Dirk Zöllner
Die fernen Inseln des Glücks: Eine Biografie
ISBN-10: 3355017965
ISBN-13: 978-3355017961
Euro 19,95
Toneinspieler:
‘Immer einer’ – Dirk Zöllner, Live im Anker
‘Wüstenblumen’ – Dirk Zöllner & Thomas Maser (Demo, unveröffentlicht, 2002)
‘Jetzt kommt die Flut’ – Dirk Zöllner & André Gensicke, Live im Anker
Tipp:
Im Juni überträgt rockradio.de anlässlich Scholles Geburtstag eine Lesung in voller Länge! Stay tuned.
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