»» Der Politische Asche-Mittwoch ««­ Folge 47 ‘Im Osten geht die Sonne auf’

Der Pakt – oder Solidari tät gut tun

Solidarpakt, Solidaritätszuschlag, solide Regierungspolitik, Solidarität – sehen sie noch durch? Oder klingt ‘solide’ für sie auch nach ‘marode’ oder gar ‘so Schade’?
Ich sag ihnen mal was im Vertrauen, sie können noch so beschlagen sein im Definieren von Fremdworten und Fremdbegriffen, selbst die gewählten Volkszervertreter sehen nicht mehr durch.
Da hilft auch Brille putzen nicht, Herr Unland.

Schauplatz Ruhrgebiet.
Von und mit der Steinkohle reich geworden, eine starke Gewerkschaftsbewegung weil gut ausgebildeter und hart arbeitender Menschenschlag. Da fallen schon mal derbe Worte, zu denen man selbst am Stammtisch noch steht. So werden Mannsbilder gemacht. Doch unter Tage ticken die Hormone anders, das Sonnenlicht fehlt und mit den immer dünner werdenden Flözen schwinden die Horden von Kumpels. Raus aus der Grube, ran an den Stammtisch. Und plötzlich scheint sie auch durch die schlecht geputzten Hinterhoffenster. Die Sonne. Ein Fremdkörper. ‘Kommt aus Osten‘, meint der Bierbauch hinterm Tresen. ‘Seh ich hier jeden Tag bedrohlich heraufziehen‘, legt er nach. Und hat rundheraus recht.

Seit die Erde eine runde Sache und keine biblisch verblendete Scheibe mehr ist, geht die Sonne im Osten auf. ‘Kann man nichts machen, es ist wie es ist‘ (Sostschenko). Und es bleibt wie es ist, dafür stehen die politischen Würdenträger dieser unserer Gesellschaft. Bisher.
Denn die Wand brökelt. “Der Solidarpakt Ost ist ein perverses System…”, so Dortmunds Rathauschef Sierau in der Süddeutschen. Sierau ist Alt-SPDer und damit den Kumpels näher als manch anderer Bonusempfänger.
Dieser Pakt zwischen Bundesregierung und Ländern sollte die Grundlagen schaffen, dass der ‘unterentwickelte’ Osten nach der Revolution 1989 auf Westniveau getrimmt werden kann. Als das nach knapp 10 Jahren nichts wurde mit der Aufholjagd, legte man den Pakt II nach, eine weise, weil politische Entscheidung.

Doch Sierau ergänzt ‘Der Osten ist mittlerweile so gut aufgestellt, dass die dort doch gar nicht wissen, wohin mit dem Geld…’ – gut gebrüllt Löwe, hätte ich beinahe widersprochen. Doch jetzt kommts: Der Mann hat recht!
Wir haben hier, wir Ossis, wir haben nicht nur das Recht auf vorzeitigen Sonnenaufgang, nein, wir verstecken unsere vollen Kassen! Das haben wir schon immer so gemacht. Früher waren es rote DMarkscheine, die mancher heute noch in der Schweiz vermutet und die auch in hundert Jahren noch umgetauscht werden können. Wenn es dann noch Geld gibt.

Ihr denkt, ich spinne. Ihr denkt, ich sei sarkastisch. Nur, weil ihr das von mir gewohnt seid.
Weit gefehlt. Es ist mein bitterer Ernst!
Sachsen schwimmt im Geld. ‘Sachsen versteckt seine vollen Kassen‘ titelte der Döbelner Anzeiger am 26. Februar d. J.
Und weiter: ‘Sachsen hat im aktuellen Landeshaushalt 1,5 Milliarden Euro mehr eingenommen als geplant…’. Das lässt sich nicht verleugnen. Die undichte Stelle hat das Unlandsche Ministerium, nicht sein Geldbeutel.

Lassen wir unseren Landesvater weiter gewähren und gehen nicht auf die schlecht gepflegten und kaum instand gehaltenen Straßen im Freistaat zwischen polnischer und tschechischer Grenze, bleibt es beim Exodus von über 2.000 Lehrern in den kommenden Jahren und dem Ausgliedern staatlicher und kommunaler Hoheitsverantwortung in private Handarbeit, dem Manifestieren von Arbeit ohne Existenzsicherung und Kürzen von Nettorenten.
Sachsen spart sich krank, todkrank.
Daran ändert auch der viel zu späte Abgang von Kultusminister Wöller am gestrigen Tage nichts. Es ist kein personelles Problem. Es ist die Arroganz der Macht, die Macht des ‘Ich nehme mir was dir gehört’. Herr Tillich beherrscht das System und Quasinachfolger Unland lernt es gerade.
Herr Sierau kommt auch noch dahinter.
Die Sonne wird immer im Osten aufgehen. Gute Nacht Ruhrgebiet.
(c)casus.2012

Die Karikatur wurde mir freundlicherweise von Erl zur Verfügung gestellt.
Zitatquellen: SZonline vom 21.03.2012, LVZ vom 21.03.2012, Seite 2 und 4, Döbelner Anzeiger vom 06.02.2012


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