»» Der Politische Asche-Mittwoch «« Folge 46 ‘Aus Eins mach Viel’

Der Döner bei meinen Lieblings-In-Der-Nähe-Türken schmeckt köstlich und war bisher auch preiswert. Sie gehören zu Deutschland. Beide.
Ob auch zu Europa? – Das klären andere.
Jetzt hat er den Preis für das Drehfleisch angehoben. “Anheben müssen”, sagt er. Er hat niemand gefunden, der ihm einen Schuldenschnitt machen wollte. “Alles muss man selbst machen” nuschelt unter seinem Schnauzer hervor und schon hat er das Messer angesetzt.
Klar; ein Döner macht schöner. Doch Schönheit hatte schon immer ihren Preis und da ich auf beides auch künftig nicht verzichten will und werde blieb mir nur der Gang zu meiner Lieblings-In-Der-Nähe-Hausbank. Die haben da jemand an der Hand, der recht günstig und in letzter Zeit auch ziemlich häufig Geld druckt. Einfach so. Coole Sache.
Früher war das schwieriger. Ganz früher noch schwieriger.
Gibst du mir, nehm ich dir – das gab es vor vielen tausend Jahren einmal. Tauschhandel genannt; zwei frische Hühnereier gegen einen reparierten Radreifen. Dann war Gold das alles richtende Zahlungsmittel, bzw. sein Gegenwert. Alles hatte seinen Preis, auch die aus dem wertvollen Metall gefertigte Münze. Wer mehr ausgeben wollte, musste für mehr Münzen mehr Wert bieten.
Das haben wir ja nun endlich überwunden. Wenn meine Um-Die-Ecke-Hausbank mehr Geld will, druckt Vater Staat welches. Oder lässt drucken, da der zwar sonst so lange Arm vom Rolli aus für richtige Arbeit eher ungeeignet ist.
Scheine drucken ist kein Thema, Papier aus nicht nachwachsenden Regenwäldern gibt es in Hülle und Fülle; in Schweigen hüllen und Taschen füllen inklusive. Meine Taschen aber nicht, das wäre zu einfach.
Eben erst wieder wurden 130 Milliarden Euro gedruckt, was sich geradezu als ein Schnäppchen gegen die 1.000 Milliarden US$ im Jahre 2009 ausnimmt. So ging das seit den 90er Jahren munter weiter. Die Geldmenge, also der Geldwert, hat sich in diesem historisch kurzen Zeitraum nahezu vervierfacht; ein dazu adäquater realwirtschaftlicher Gegenwert ist weit und breit nicht zu erkennen. Sieht nicht gut aus. Sieht nach drohendem Zusammenbruch dieses Drucksystems aus, was einem Totalverlust, einer Mega-Inflation, einer Depression gleichkommt, weil verliehenes Geld nicht mehr zurückgezahlt wird, entwertet wird. Mit Papiergeld geht das problemlos, mit Metall nicht.
Muss ich doch gleich mal nachsehen, was in meiner Sparbüchse liegt … es klingt metallisch. – Glück gehabt.
Morgen frag ich auf meiner Bank nach; wenn mein Geld bei ihnen auch goldig aussieht, bin ich beruhigt. Wenn nicht – wird der Döner kalt bevor er bezahlt ist.
Und dann gehört Ali Ahmed plötzlich irgendwann nicht mehr zu Deutschland.
Scheiß Spiel, was die da oben mit mir treiben.
(c)casus.2012
Die Karikatur wurde mir freundlicherweise von Harm Bengen zur Verfügung gestellt.
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