Kunde im Dienst
Im Haushalt passieren ja die unmöglichsten Dinge; manchmal jedenfalls.
Nicht davon verschont bleibt möglicherweise auch eine Schrankwand Modell Straßbourg; gebaut aus sehr viel Holz, verbaut mit edlen Scharnieren und gekauft für sehr viel Geld, ca. 8.000 Deutsche Mark vor einigen Jahren. Wie der Zufall es will hat die Firma Häfele aus Nagold die Scharniere für die Schrankauszüge beigestellt (So die Aussage, aber nur schwer nachprüfbar). Geliefert wurde das gute Stück vom Einrichtungshaus Porto (Name geändert), allseits bekannt für seinen vortrefflichen Kundendienst, solange man ihn nicht benötigt. Mit dieser Gemütlichkeit war es in diesem Fall aber vorbei und wir bereiteten uns auf einen längeren Gang durch die Irren und Wirren der Kundenhilfe deutscher Unternehmen vor. Das war gut so.
Die Kundendienstabteilung bei Porto in Leipzig-Paunsdorf wiegelt von vornherein ab ("Wir haben dieses Teil nicht im Programm", "Der Hersteller dieser Schrankwand ist insolvent", "Versuchen Sie es doch einmal im Baumarkt", "Oder fragen Sie einen Fachhändler, wir haben keine Verträge mit Scharnierherstellern") – das die niederschreibbaren Bemerkungen. (Name der Mitarbeiterin bekannt). Mein persönlicher Spitzenreiter ist die Aussage mit dem ‘Fachhändler’!
Im OBI-Baumarkt am Leipziger Hauptbahnhof sind lauter freundliche Leute, die mir gern weitergeholfen hätten, aber es ist der falsche Baumarkt, OBI hat keine Geschäftsbeziehungen zu diesem Beschlägehersteller und gibt mir eine Adresse eines Mitbewerbers in Merseburg. Ist ja nicht aus der Welt.
Na gut, sagen wir uns, nachdem auch zwei kleinere Tischlereien nicht weiterhelfen konnten, sollten?, wollten? Versuchen wir es direkt beim Hersteller; wer, wenn nicht er; wo, wenn nicht dort?
Telefon 07452 950 Fa. Häfele: "Nein, wir verkaufen nicht an Endkunden. Wenden Sie sich an den Händler, wo Sie die Schrankwand gekauft haben" (Telefongespräch protokolliert).
Okay, soweit waren wir schon einmal!
Auf der defekten Schiene gibt es immerhin einen Produktnamen und in ‘meinem’ Internet einen Suchdienst, fast wie Gelbe Seiten. Ich lass suchen, nach ‘REME Perspektive 2000’ und lande folgerichtig bei der Firma Reme Möbelbeschläge GmbH in Hövelhof.
Telefon 05257 97800, am Apparat Frau Moor: "Selbstverständlich helfen wir Ihnen weiter." Und nach einigen Abstimmungen, damit wir auch vom richtigen Teil sprechen und nach Rücksprache mit dem Lagerleiter bei Reme haben wir kurz darauf zwei Paar Schrankauszüge kostenlos zugeschickt bekommen, die wir nach klitzekleinem Umbau perfekt einpassen können. Als wäre nichts gewesen erstrahlt unsere Schrankwand in altem Glanz!
Dass uns ausgerechnet die Fa. Reme geholfen hat, die außer einer vorbildlichen Kundenorientierung mit unserem Problemchen nichts zu tun hatte, lässt hoffen.
Hersteller pleite, Händler unfähig zu helfen, Ersatzteil-Hersteller ohne Kundendienst – die Liste ist lang.
Es ist demnach nicht übertrieben: Herzlichen Dank Frau Moor für Ihren ganz persönlichen Einsatz. Die in unserem Telefonat angesprochene Servicewüste Deutschland ist Dank Ihnen nur eine Servicesteppe mit kleinen grünen Oasen.
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Achtung, Kunde droht mit Umsatz ……
Das Schlimme ist, ich wusste es vorher, auch aufgrund einschlägiger Erfahrungen. Aber ist ja ‘gut’ ausgegangen und genau das war nicht unbedingt zu erwarten; auch aufgrund einschlägiger Erfahrungen.
Vielleicht fühlt sich ja jetzt jemand angesprochen und lässt seine Bluthunde los. Dann komm ich nicht umhin, alles um Namen, Adressen und wörtliche Zitate zu ergänzen 🙂