Im Namen des Sports. Oder?

Aus aktuellem Anlass…

Einhergehend mit der Handball-Saison 2025/26 wurde es plötzlich gesellschaftsfähig, mit enorm fließenden Steuergeldern punktuell in das Sport-Sponsoring einzugreifen. Dass dies rechtlich und ge-rechtlich nicht ganz so einfach ist und erst recht nicht sein dürfte, habe ich ja schon mehrfach angesprochen. Jetzt endlich habe ich mich aber ein wenig tiefgründiger mit der Problematik befasst, entsprechende Quellen gesucht und gefunden und werde es – komplett aus meiner Sicht – nachfolgend etwas genauer auseinandernehmen und versuchen, zu analysieren.
Ich beschränke mich dabei vorerst auf das steuerfinanzierte Sponsoring der Handballmannschaften des SC Magdeburg (Bundeswehr-Sponsor) und der Füchse Berlin (Bundespolizei-Sponsor).

Rechtlich vs. gerecht
Rechtlich gesehen darf der Bund Profisport natürlich fördern, etwa über Sonderprogramme oder Infrastruktur, solange verschiedene Kriterien eingehalten werden, wie Transparenz, Beihilferecht, Zweckbindung. Ein Gerechtigkeitsproblem entsteht, wenn einzelne Klubs direkt profitieren, andere aber mit denselben strukturellen Kosten (Kader, Reisen, Hallenmieten usw.) ausschließlich auf Sponsoren und Zuschauer angewiesen sind.

Wie werden diese Bundesmittel begründet?
Übliche Begründungen für Bundesmittel sind z.B.
„Systemrelevanz“: Profisport als Wirtschaftsfaktor, als Identifikationsanker, als TV-Produkt. So wurden auch Corona-Hilfen für Profivereine begründet.
„Besondere Lage“: z.B. Integration eines ukrainischen Vereins in deutsche Ligen oder Standortsicherung. Derartige Fälle wurden politisch diskutiert und begründet.
Nachwuchs- und Strukturförderung: Es gibt Programme, die ligaweit ausgeschüttet werden (z.B. Ausbildungsbonus, Move-Your-Sport-Mittel). Da wirken Bundes-/Mediengelder relativ solidarisch.

Wo jedoch liegt das Problem bei selektiver Förderung?
Wenn zwei Vereine direkt aus dem Bundeshaushalt unterstützt werden, andere aber nicht, hat man de facto einen Wettbewerbsnachteil für alle übrigen Klubs derselben Liga und eine politisch gesetzte Schieflage in einer eigentlich sportlich organisierten Konkurrenz. Mindestens müssten, wenn einzelne Klubs aus besonderen Gründen Geld bekommen (z.B. Standortrettung, Infrastruktur), die Kriterien öffentlich, überprüfbar und grundsätzlich für alle erfüllbar sein.
Wenn also zwei konkrete HBL-Vereine (siehe oben) direkte Bundesmittel für ihren laufenden Profibetrieb erhalten, während alle anderen ihren Etat fast ausschließlich privat stemmen, ist das politisch schwer zu rechtfertigen, außer es handelt sich um klar definierte Sonderfälle, wie Pilotprojekte, Standortförderung mit offenem Zugang usw.

Wie ist die Lage konkret?
Beim SC Magdeburg gibt es eine Kooperation mit der Bundeswehr, bei der der Standort Gardelegen als Arbeitgeber wirbt, u.a. über Banden, Logo, gemeinsame Aktionen. Das ist formal „Arbeitgebermarketing“ aus dem Verteidigungsetat, erscheint nach außen aber wie klassisches Sponsoring. Dass der Standort Gardelegen gepusht werden soll, habe ich erst bei meinen tiefergehenden Recherchen mitbekommen, offen publiziert wird es scheinbar nicht.
Bei den Füchsen Berlin gibt es eine Partnerschaft mit der Bundespolizei, ebenfalls mit Geld- oder Sachleistungen und Werberechten (Logo, Recruiting-Aktionen etc.), finanziert aus Haushaltsmitteln des Bundesinnenministeriums.
Juristisch werden beide Verträge als Gegengeschäft dargestellt: „Wir zahlen – ihr verschafft uns Reichweite als Arbeitgeber/Behörde.“ Politisch-ethisch bleibt aber: Es sind Steuermittel, die bei zwei Profi­klubs landen, während andere Vereine rein auf private Sponsoren, kommunale Zuschüsse und Zuschauer angewiesen sind.

Warum fühlt sich das un-gerecht an?
Zwei Klubs haben faktisch einen staatlichen Großsponsor, der nicht pleitegehen oder spontan aussteigen wird, während der Rest im normalen Markt um jeden Euro kämpfen muss. Das ist Wettbewerbsverzerrung.
Es ist kein gleichberechtigter Zugang. Ein Verein in Flensburg, Lemgo oder Balingen kann sich nicht „mal eben“ um Bundeswehr- oder Bundespolizei-Gelder bewerben. Solche Deals hängen von Standort, Netzwerken und politischem Willen ab, nicht von sportlicher Leistung.
Es ist eine Vermischung von Aufgaben. Ob es wirklich Kernauftrag von Bundeswehr/Bundespolizei ist, Profi-Handball als Werbefläche zu nutzen, ist politisch umstritten, es gibt ja auch Kritik, wenn Kommunen Profiklubs direkt bezuschussen.

Wie man es fairer organisieren könnte
Klare, veröffentlichte Kriterien: Unter welchen Bedingungen darf eine Bundesbehörde Sponsoring im Profisport betreiben, welche Grenzen (Höhe, Dauer, Anteil am Etat) gelten?
Transparenzpflicht: Alle Beträge, Gegenleistungen und Haushaltstitel müssen öffentlich sein, damit nachvollziehbar bleibt, was ein Verein tatsächlich aus Steuermitteln erhält.
Gleiches Prinzip für alle: Entweder öffnet man solche Programme formal für alle Klubs einer Liga (z.B. als befristete Recruiting-Kampagne der Bundeswehr/Bundespolizei mit klarer Ausschreibung), oder man lässt es komplett und beschränkt sich auf die Förderung einzelner Athleten über Sportfördergruppen.

Wenn es also auch formal als Arbeitgeberwerbung verkauft wird, erleben andere Vereine und wir, die sportbegeisterten Fans, es de facto als staatlich abgesicherten Sponsoringvorteil für ein paar ausgewählte Klubs und das ist im Sinne sportlicher Chancengleichheit schwer zu vermitteln, solange der Zugang nicht transparent und ligaweit prinzipiell offen geregelt ist.

Damit entsteht eine asymmetrische Finanzierung. Zwei Clubs bekommen einen großen, ausfallsicheren staatlichen „Sponsor“, während die übrigen Vereine rein über Privatwirtschaft, Zuschauer, Land/Kommune oder Verbandsausschüttungen gehen müssen. Staatliche Partner fallen nicht durch Insolvenz oder Imagekrisen weg, Verträge werden meist über mehrere Jahre geschlossen und aus stabilen Haushaltstiteln bedient. Diese kalkulierbare Einnahme erhöht die Planungssicherheit (Kader, Infrastruktur, Staff), was sportlich relevant ist, weil Gehaltsbudgets und Professionalität der Strukturen über die Wettbewerbsfähigkeit entscheiden. Für andere Klubs bedeutet das: Sie müssen denselben Kostendruck über riskantere Sponsorengelder ausgleichen – ein struktureller Nachteil bei Transfers, Vertragslaufzeiten und Nachwuchsaufbau.

Außerdem muss beachtet werden
„Bundeswehr-Partner“ oder „Bundespolizei-Partner“ zu sein, wirkt nach außen wie ein staatliches Gütesiegel – das kann weitere Sponsoren, öffentliche Förderer und Medienaufmerksamkeit anziehen. So etwas nenne ich „Doping mit Staatsgeld“. Würde ein Verein seine Gehälter illegal aus öffentlichen Töpfen subventionieren, wäre das ein Skandal, bei legalem Behörden‑Sponsoring ist die Wirkung ähnlich, aber juristisch gedeckt. Kurz gesagt, auch wenn formal eine Gegenleistung (Werbewert) erbracht wird, ist der Zugang zu dieser Form von Steuergeld faktisch selektiv und damit wettbewerbsverzerrend.

Es gibt ein weiteres Problem
Sport‑Sponsoring der Bundeswehr ist eine Rekrutierungskampagne in eigentlich zivilen Räumen! Wir sollten jedoch weiterhin „militärfreie Stadien“ fordern. Der Sport muss schon oft genug als politisches Druckmittel herhalten und einzelne Sportler werden weltweit diskriminiert, weil die Politik ihres Landes abgelehnt wird.

Fazit
Die Kombination aus selektivem Zugang, haushaltsfinanzierter Planungssicherheit und symbolischem „Staatssiegel“ führt dazu, dass Handballvereine mit Bundeswehr‑ oder Bundespolizei‑Sponsoring realen Wettbewerbsvorteil gegenüber ihren Ligakonkurrenten haben. Aus Expertensicht wäre ein fairer Weg, staatliche Unterstützung konsequent auf transparente Athleten‑ und Infrastrukturförderung umzustellen, Behörden‑Sponsoring entweder klar zu regulieren oder zu beenden und ein Sportfördergesetz zu schaffen, das diese Fragen einheitlich regelt.

Quellen meiner Recherche waren u.a. der Deutschlandfunk, die Sport-BILD, die TAZ, der Dokumente-Server des Bundestags (bundestag.de), der DHB, handballecke.de, rp-online.de, dw.com (Deutsche Welle), die Webseiten des Handballclubs SCM und Füchse Berlin und der Bundespolizei, Spiegel und letztlich die Webseite fragdenstaat.de.
Auf dieser Seite wurde bereits Ende 2025 eine offizielle Anfrage an das Bundespolizeipräsidium (Antwortgeber) gestellt und m.E. nur mäßig bis unzureichend beantwortet. Begründung: Stillschweigevereinbarung! Das korreliert genau mit der oben verlangten Transparenz.
Nachzulesen hier: https://fragdenstaat.de/anfrage/antrag-nach-dem-ifg-sponsoring-der-bundespolizei-bei-den-fuechsen-berlin/

Wer sich tiefer mit der Problematik beschäftigen möchte, kann sich von dieser Seite aus gern weiter durchklicken.

© Casus. 2026


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