Episode Sieben – ‘Kaputt in Caputh’
Es ist Feiertag.
Die Lokalzeitung veröffentlicht das Ergebnis einer Umfrage unter Leipziger Straßenpassanten, wie und ob diese den 3. Oktober als Tag der Deutschen Einheit feiern oder ignorieren.
Immerhin genießen fast alle den Tag als probates Mittel zum Abstandgewinnen von Alltagstrott und Kollegenschelte. So hat die Territoriumzusammenlegung vor fast zwei Dutzend Jahren doch ihr Gutes.
Wir haben den Tag ebenfalls genutzt.
Bereitschaft haben meine freundlichen Kollegen übernommen und mir damit einen Kurzausflug an den zuflusslosen, oder besser zuflussarmen, Schwielowsee ermöglicht. Ein herrliches Fleckchen Grün und Blau.
Zweckmäßigerweise hatten wir uns die Caputher Gegend als Ziel ausgesucht; wir wollten familiäre Bande pflegen. Was uns wegen perfekter Vorbereitung selbstverständlich auch hundertprozentig gelungen ist. Nicht jedes kleine Mädchen darf nach mir treten. Das hier schon 🙂
Am Caputher Ufer lässt es sich an diesem herrlichen Sonnenoktobertag dann auch aushalten. Nicht einmal die gefühlt hundert Jahre alte Autofähre stört. Jedenfalls nicht wirklich.
Da muss schon etwas ganz anderes passieren, um uns in dieser idyllischen Gegend aus der Ruhe zu bringen. Gesagt getan. Es geschieht!
Nicht nur die damalige “Vereinigung” ist in mancher Hinsicht schief gelaufen, auch die Heimfahrt gestaltet sich schwierig. Kennt ihr noch die Mercedes-Werbung? Nein, nicht die, wo der Hamster in der Alufelge rotiert, sondern die, wo die im Abendkleid umsonst auf ihren anschaffenden Mann wartende Ehefrau diesem fürchtersam eine scheuert, bloß weil der unterwegs eine Panne hatte! “Mit dem Mercedes!” – Klatsch. Ich hätte nicht der Wagen sein wollen…
“Hier ist die ADAC-Pannenhilfe. Am Apparat Frau Edelmann (Name von mir geändert). Womit kann ich dir helfen?” – Stutzig? Umsonst. Sie hat wirklich “dir” gesagt – und ich fand’s klasse. Wenn es nicht mit Absicht war, vielleicht um von Anfang an das Eis zu brechen, sollte der ADAC es einführen! Man kann sich hinterher ja korrigieren, wenn es nicht so gut ankommt. – Wir jedenfalls hatten von Beginn an den richtigen Draht zueinander gefunden und das Pannenfahrzeug war dann so schnell vor Ort, dass ich nicht einmal meinen zwischenzeitlich frisch gebrühten Kaffee ausgetrunken hatte. Super.
Die neue und von Herrn Bormann (Name auch geändert), dem am See diensthabenden Pannenhelfer, gleich vor Ort eingebaute Starterbatterie, brachte uns dann doch noch vor Mitternacht ins beschauliche Sachsenheimatstädtchen zurück und hoffentlich in den nächsten 5 Jahren auch noch ein paar mal an den Schwielowsee!
Immerhin wollen wir ja das demnächst das uns umgebende Licht selbst erblickende und dann hoffentlich nicht mehr nach uns tretende kleine Mädchen öfter besuchen.
Im Schauspielhaus in Leipzig, besser: im Centraltheater, gab es dann halb Acht noch einen Eisler-Abend. Mit dabei Hans-Eckhardt Wenzel, am Schlagwerk Stefan Dohanetz, Hannes Scheffler und Thommy Krawallo an den diversen Gitarren.
Leider habe ich das heute erst erfahren 🙁
Chance verpasst!
Dafür empfehle ich – nun rechtzeitig – eine Eisler-Matinee in der Oper Leipzig. Überübermorgen in der Veranstaltungsreihe “Sonntags um 11”, auch wenn ich diese künftig leider nicht mehr live übertragen kann. Wie schrieb der neue Leiter für Öffentlichkeitsarbeit doch dazu “…wir (die Oper) können das personell nicht abdecken.” Schade, die Stadt streicht die Mittel zur Kulturförderung und die Oper den Willen zur Kulturmultiplikation. Trotzdem, hingehen und genießen, die Reihe ist wirklich sehens- und anhörenswert. Der Spielplan unter Oper Leipzig.
Und wie habt ihr den Feierfreitag, der ein Mittwoch war, bewältigt? Lieber nett im Bett als kaputt in Caputh?
(c)casus. 2012
Handyfotos: casus
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