Der völlig Unpolitische Asche-Samstag, Folge XXS ‘Meine Kirsche’

Wir schreiben Sonnabend oder auch Samstag, den 19. November Zweitausendelf.
Obwohl, von Schreiben kann gar nicht die Rede sein, wir haben ihn einfach.
In Leipzig herrschte heute eitel Sonnenschein, das Rathaus war unbesetzt, die fleißigen Bienchen allerorten bauen den Weihnachtsmarkt in der Innenstadt auf und ich habe mich ein klitzekleinwenig von der letzten Woche erholt.
Aber ach, erholt stimmt so nun auch wieder nicht!
Egal, am Nachmittag prasselte der einzige, goldgelbe Nichtplanet unseres Allsystems unbeeindruckt auf die Erde herab und bei fast Windstille und neun Grad auf dem Außenborder konnte man getrost im T-Shirt in der längst winterfest verriegelten Laubenpieperidylle noch ein paar Restarbeiten erledigen. Heißt, die frühe Frühkirsche doch noch dieses Jahr verschneiden. – Ja ja, Marcel, ich hab sie VERschnitten, ich bin ja kein Profigärtner und lass trotzdem die letzte nach außen wachsende Knospe stehen und sorg’ dafür, dass Pilze nicht die Schnittstellen heimsuchen. Ich versuch’ es jedenfalls.
All das interessiert niemand wirklich, höchstens die kleinen Kirschenpflücker, die im schneesicheren Winter kaum Futter finden, aber im zeitigen Frühjahr die ersten sind, die diese Frühkirsche heimsuchen. Warum steht sie auch genau in ihrem Einzugsgebiet. Noch ist es mir kein einziges Jahr gelungen, mit den fliegenden Luftbewohnern ein vertragssicheres Abkommen auszuhandeln, wir haben dagegen eher eine stillschweigende Vereinbarung getroffen. SIE dürfen den Kirschbaum plündern, wenn ihnen danach ist, ICH füttere sie dafür über den Winter. So hat jeder was davon.
Die Kirsche ist also jetzt etwas auf Vordermann gebracht.
Beim Schneiden – weiß der Eingeweihte – muss man schon ein wenig aufpassen. Immerhin klettert man in der Krone herum und muss auch noch Zweig für Zweig kürzen. Das geht solange gut, wie man nicht gerade auf den Ast tritt, den man zuvor abgesägt hat!
Richtig interessant wird es aber erst, wenn man – wieder am Boden – das gefallene Reißig stapelsicher einkürzt, alles einsammelt und gartennachbarnichtmecker fein säuberlich hexentragebequem sortiert.
Dabei kann das eigentlich ruhelose Hirn gedankenverloren abschweifen und kommt erst dort zur Rast, wo es verwertbare Substanz zum Irgenwoanders-Gebrauchen findet.
Ging mir genaus so!
“Man(n) kann manchen Frauen manches verzeihen. Man(n) kann vielen Frauen vieles verzeihen. Doch man kann unmöglich allen Frauen alles verzeihen. Soweit ist es nicht neu. Dass es jedoch Frauen gibt, denen man NICHTS verzeihen kann, habe ich gestern erst wieder mitbekommen!”
Da ich weiß, dass der Betroffene genau dies hier liest, weiß er zumindest als wohl Einziger, was gemeint ist. Obwohl, ich glaub, er versteht es nicht!
Egal.
Man liest ja auch nicht jeden Tag abgeschnittene Kirschbaumzweige auf.
(c)casus. 2011
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