Der Politische Asche-Mittwoch, Folge 22 ‘Guten Morgen, Michel’

Rettet die Wall Street!

Wo liegt das Problem? Auf der Straße?
– Nein. Hier und da kommt ja die Stadtreinigung und fegt darüber hinweg.
Leider werden dabei die wirklichen Missstände nicht mit beseitigt, der Unrat hat sich festgesetzt, eine unsichtbarmachende Kapuze übergezogen und die herrschenden Eliten an die Kandarre genommen.
Seit etwa 20 Jahren schwächelt die Weltwirtschaft von Krise zu Krise. Die ‘alte’ Weltwirtschaft. Mit geborgtem und gestohlenem Geld wird der handfeste Kollaps noch ein wenig verzögert, bevor die Blase endgültig platzt. Na gut, das haben unsere Großmütter und Großväter 1929 schon einmal ausgehalten. Nur dass dieses mal der Knall richtig wehtun wird, die Blase ist größer und aufgeblasener!
Die sogenannten Finanz- und sonstigen Krisen seit 2009 war nicht wirklich welche, eine Korrektur und gründliche Tiefenreinigung hat nicht stattgefunden. Beides steht noch bevor.
Robert Kurz schrieb dazu kürzlich unter der Überschrift ‘Ökonomisches Doping’: “Man kann das kapitalistisch unlösbare Dilemma auch anders formulieren. Solange mit immer neuen Maßnahmen nur das marode Finanzsystem gestützt wird, bleibt die Krise in der Schwebe. Sobald sich aber substanzlose Geldschöpfung in reale Nachfrage verwandelt, marschiert die Geldentwertung, die sich noch in Grenzen hielt, solange nur der konjunkturelle Einbruch von 2009 überbrückt wurde.” (ND, 19.09.2011)
Noch einen Schritt weiter geht Prof. Karl Albrecht Schachtschneider in einem Interview gegenüber Jürgen Elsässer (vorm. Junge Welt-Redakteur, jetzt Herausgeber des Magazins ‘Compact’), indem er den Demokratieverlust als solchen zur Handlungsverpflichtung des Volkes erhebt; siehe Artikel 20 Abs. 4 des Grundgesetzes (‘Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.’). Der komplette Wortlaut des Interviews findet sich im aristo blog hier.


Im Bankenviertel Wall Street sind die ersten Auswirkungen bereits handgreiflich zu beobachten. “Occupy Wall Street” ist ihr Motto und auch wenn von den angekündigten Tausenden nur vielleicht 100 Demonstranten wirklich ausharren, sollte man sich vor Augen halten, dass jede Bewegung mit einer Handvoll anfangs wie selbstverständlich Belächelter losging. Dann allerdings wird es schmerzhaft und dann allerdings wird ‘Guten Morgen’ nicht mehr ausreichen und dann allerdings ‘Gute Nacht, Michel’.
(c)casus. 2011
Foto: AFP/Handelsblatt


Entdecke mehr von cc_blog

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.