Händel meets Michaelis – amici musicae in der Michaeliskirche
Um sich Händels ‚Messiah‘ zu erschließen, kann man die Kreuzung in jede Richtung verlassen. Es gibt viele Wege. Nicht der ungewöhnlichste dürfte Jan Eric Mengeling an der elektrisch verstärkten Leadguitar sein, ein wahrhaftes Feuerwerk an Rock, Roll und Slide. Händel hätte seine Freude daran gehabt. Auch nicht ungewöhnlich sind Aufführungen mit fast 3.000 Sängerinnen und Sängern im Chor und großem Orchester, so in London 1784.
Wir leben im Jahre 2013 und sind in der Leipziger Michaeliskirche. Da werden etwas kleinere Brötchen gebacken. Allerdings richtig gut gewürzt und schön knackig.
Amici musicae unter Ron-Dirk Entleutner haben eine Vollversion in klassischer Besetzung versprochen und sind drauf und dran, diese großen Worte umzusetzen. Der vielstimmige Chor wirft sich gekonnt die Bälle zu, die Solistinnen dagegen hätten gut und gern Mengelings elektrische Verstärkung verkraftet. Hier sollte Händel ruhig noch einmal nachbessern.
Auch das japanisch besetzte Violincello benötigt hier und da die sanft aber bestimmt hinweisende Hand des Dirigenten, um nicht die Solostimmen zu überdecken.
Mit fortschreitender Darbietung legt sich wohl die innere Unruhe der Orchestermusiker, sie spielen sich dann doch noch in einen rauschähnlichen Zustand, immer wieder angestachelt vom fantastisch aufgelegten Chor, der mit gut besetzten Sängerinnen und Sängern schon personell das Orchester um ein Vielfaches übertraf. So verwundert dann auch nicht, dass an der wohl bekanntesten Passage am Ende des zweiten Teils, dem ‚Halleluja‘ weder die Violinen noch der Kontrabass und auch die endlich ertönen dürfende Pauke kaum zu hören sind. Wenigstens hat Händel gleich anschließend eine kurze Pause für die Musiker vorgesehen, ehe es im letzten Part noch einmal fulminant zur Sache geht.
‚Würdig ist das Lamm, das erschlagen wurde.‘
Diese heute Abend in Englisch gesungene Liedzeile aus der Offenbarung 5:9, 12-13, ist dann auch so etwas wie ein Symbol für den gelungenen Wochenausklang, Sonntag Abend in der Michaeliskirche.
Es muss nicht immer Fußball sein, schon gar nicht in Leipzig.
Und – ach ja, auch Jan Eric Mengeling ist ab Ende Mai auf Deutschland-Tour. Mit seiner neuen Band Soul Sign.
Danke amici musicae für den authentischen Händel und auch dir, UD. Der Text singt sich demnach auch nach der ersten halben Stunde noch gut durch. Ein Trost; auch die verloren am äußersten Rand des Orchesters postierten Bläser bekamen erst jetzt ihren Einsatz.
Der minutenlange Schlussbeifall galt dann wiederum allen Aktiven, dem Orchester, dem Chor und den Solisten, Ron-Dirk Entleutner inklusive.
A-ha-ha-ha-men…
Michaeliskirche Leipzig, Nordplatz
2013-05-12, 19:00–21:30 Uhr
Besetzung:
Solisten: Amrei Rebekka Beuerle (Sopran), Inga Jäger (Alt), Annett Sommer (Alt), Stephan Scherpe (Tenor), Christian Backhaus (Bass)
amici musicae: Chor und Orchester, Alexander Lesch (Konzertmeister), Toni Fehse, Reinhold Bauer (Trompeten), Sebastian Alexander (Pauken), Yuki Ibaraki (Violincello), Léonard Sauvé (Kontrabass), Helmut Kukuk (Cembalo)
Musikalische Leitung: Ron-Dirk Entleutner
Foto und Text: ©casus. 2013
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