Hey Boss, ich brauch kein Geld. Gunter Gabriel in Leipzig.
Erzengel Gabriel rockt die Heilige Kirche St. Petri in Leipzig.
Aber was da von dem historischen Marmorboden ins Auditorium schwappte, das war eher ein gemütlicher Abend in der Kirche, wie es Bine gerade ausdrückt.
Gunter Gabriel auf Kirchentour, quer durch Deutschland, quer durch die Gemeinden, die ihr Gotteshaus für den “Kerl aus dem Volk” zur Verfügung stellen.

St. Petri vor dem Auftritt
Pfarrer Johannes Toaspern vom Seelsorgebezirk Kirchgemeinde St. Petri war wohlwissend krank heute Abend, zumindest wurde das aus dem Publikum gerufen, als Gunter nach dem Herr der Kanzel verlangte. Er wusste wohl warum, der Pfarrer.
Aber – es war nicht alles schlecht, was früher gut war. Die Homage an Johnny Cash wurde zwar immer mal auf der Country-Gitarre angepickt und die großen Hits brachten das historische Bauwerk zum Klingen, doch summa summarum hatte der Jung aus Hamburg eher einen musikalischen Gemüsebrei mitgebracht und schwang sich von Rock und Roll über Country und Schlager und Liedergut bis hin zu Gospel. Das allerdings hätte einer der Höhepunkte des Abends werden können, denn Deborah Harris aus L.A. (und nicht Louisiana, Herr G.G.), die schon seit immer immer Kirchenchor singt und die kompletten Standards der Gospel-Szene drauf hat, kam leider nicht so richtig zum Zuge. Und in den Phasen, wo doch, da konnte sie zeigen, wie so ein Abend in der historischsten aller erhaltenen Leipziger Kirchen hätte klingen können; eine glasklare Stimme und Gospel der feinsten Klinge, von Amen bis When The Saints. Schade, doch ein ehrenwerter Ansatz.
Gunter kommt am überzeugendsten daher, wenn er ganz ungeschwollen und fern aller Überheblichkeitsallüren von seinen Höhen und Tiefen singt und spricht und wenn er in leisen Zwischentönen anklingen lässt, dass das Leben alles bieten kann, nur keinen Auftritt mit Angela Merkels Handtasche im Bundestag.
Die Bandbegleitung war an diesem Abend allererste Sahne; saubere und klare Linien auf den Gitarren und von Bernd aus Berlin-Hohenschönhausen auf der elektrischen Violine, natürlich mit dem Orange Blossom Special. Leider hat auch ihm die Technik einen Strich durch die Rechnung gemacht. Manchmal ist live eben mies.
Unterm Strich bleibt ein selten gehörter Gast, der viel zu Sagen, respektive zu Singen hat, und dies auch mehrfach anklingen lässt. Gunter Gabriel hat von 6 (Sex) auf 7 umgelegt. Das hört man – und ist nicht erstaunt.
Und natürlich wird am Schluss die Decke des Erlebten über alles gezogen.
Gunter Gabriel in der Leipziger Peterskirche als Beginn einer eher unheiligen Kirchentour.
Komm unter meine Decke – der Schlusspunkt.
[sample, 3:44min]
Gunter has left the building – wir gehen zufrieden nach Hause. Live ist live – auch beim Erzengel Gabriel in der Heiligen St. Petri.
(c)casus. 2013
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